Samariterbund: Wenn die Seele Hilfe braucht

Die meisten Menschen wissen nicht, wie sie sich verhalten, wenn jemand in einer Krise nach einem belastenden Ereignis steckt. Oft sind es keine körperlichen, sondern seelische Wunden, die versorgt werden müssen. Krisenintervention (KIT) und PEERs übernehmen dann die Betreuung von Menschen nach traumatischen Ereignissen wie plötzliche lebensgefährliche Erkrankung, Verletzung oder Tod eines Angehörigen, Verlust der Lebensgrundlage u.v.m. Es kann dabei Einsatzkräfte aus Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei gleichermaßen aber auch jeden von uns alle treffen.

Ein Herzinfarkt, ein Verkehrsunfall oder Suizid: Dies können Ursachen für den plötzlichen Tod eines Menschen sein. Angehörige, Freunde und Zeugen trifft der Tod meist unerwartet. Die Hinterbliebenen bleiben oft allein und hilflos zurück. Die speziell dafür ausgebildeten Kriseninterventionsteams (KIT) sind erfahrene Einsatzkräfte des Rettungs- und Krankentransportdienstes aber auch in der Pflege und Betreuung aber auch bei Großschadensereignissen. Natürlich kann es auch vorkommen, dass Helfer einmal eine fachgerechte Hilfe nach einem Stress belastenden Ereignis benötigen. Dazu gibt es beim Samariterbund die sogenannten PEERs. In Wien arbeitet der Samariterbund sehr eng mit der AkutBetreuungWien – Psychosoziale Betreuung in Notfallsituationen zusammen. Die Mitgliedsorganisationen der österreichischen Plattform Krisenintervention/Akutbetreuung sind in der präklinischen Krisenintervention bzw. in der psychosozialen Akutbetreuung tätig und arbeiten nach einem gemeinsamen Leitfaden. Die nächste Tagung findet am 12. und 13. Mai 2023 in Wels (OÖ) statt.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Diese speziell ausgebildeten Krisen-Helfer leisten durch ihre unaufdringliche Anwesenheit Unterstützung, bauen eine Beziehung zu den traumatisierten, trauernden Menschen auf und schaffen so Raum für deren Trauer. Ziel ist die Wiedergewinnung der Handlungsfähigkeit und der Unterstützung des Trauerprozesses. Wenn man einmal die Wirkfaktoren der Krisenintervention betrachtet, so sind diese vor allem geprägt durch Sicherheit, Verbundenheit, Ruhe, Selbst- und kollektive Wirksamkeit sowie Hoffnung. Nicht zu unterschätzen sei die Wirkung von richtigem Zuhören. Jemand, der wirklich präsent, interessiert und aufmerksam ist, kann vieles bewirken. Dabei sei es ganz wesentlich, dass die Personen sich selbst dazu entscheiden, ob und wie viel sie erzählen wollen.

Das seelische Wohlbefinden auch in Corona-Zeiten im Blick behalten

Die zahlreichen Regeln und Maßnahmen, um die Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 einzudämmen haben starken Einfluss auf das gesamte Leben und sind zum Teil mit großen Einschränkungen verbunden Gerade die Pandemie hat uns allen gezeigt, dass seelische Erste Hilfe ein wichtiger Faktor oder auch erster Schritt bei der Bewältigung schwieriger Situationen ist.

Steigende Einsatzzahlen und viele Telefonate zeigen, dass immer mehr Menschen diese Hilfsangebote annehmen. Die häusliche Isolation oder Quarantäne beispielsweise fällt vielen Menschen sehr schwer und kann auch das seelische Wohlbefinden beeinträchtigen. Wir meinen, es ist gerade in dieser Zeit umso wichtiger, diesen Menschen durch die konkrete, personale Präsenz nahe zu sein, sie zu stabilisieren und – so weit es geht – sie zu begleiten. Betroffene sollen rechtzeitig an professionelle Hilfe weitervermittelt werden. Hier ist seit über zwei Jahren jede/r Sanitäter*in und jede Pflegekraft auch beim Samariterbund in Wien besonders gefordert.

Auch der Einsatz von Therapiehunden kann Vieles bewirken

“Die Tiergestützte Arbeit ist ein hochspannendes Tätigkeitsfeld. Dank einer Vielzahl wissenschaftlicher Studien und Langzeitprojekte konnte in den letzten Jahren nachgewiesen werden, dass das Zusammensein mit Tieren im Allgemeinen, aber vor allem gezielte Fördermaßnahmen mit Tieren einen nennenswerten positiven Effekt haben. Ziel ist die Erhöhung von Freude und Lebensqualität durch Förderung von physischer, sozialer, emotionaler und kognitiver Fähigkeiten zu erreichen. Tiergestützte Interventionen können Raum schaffen für neue Erlebens-, Handlungs- und Verhaltensmöglichkeiten. Die tierischen “Mitarbeiter” wirken dabei als Türöffner, Bindeglied und Motivator“, erklärt Peter Erdle, Obmann vom Samariterbund Favoriten.

Ausbildung als Qualitätskriterium

Analog zu unseren Erste-Hilfe-Kursen sind auch seelische Erste-Hilfe-Kurse und spezielle Fachtagungen fester Bestandteil unserer Aus- oder Weiterbildung. Die zunehmenden Anforderungen an unsere Samariter*innen macht eine ständige Überarbeitung und Anpassung der Aus- und Fortbildung für diesen Bereich unabdingbar. Natürlich ist es uns hier besonders wichtig, dass wir die Ausbildung immer weiter adaptieren und aus Erfahrungen lernen. Unsere Kurse und Aufklärungsarbeit befähigen unsere Samariter*innen dazu, selbstbewusster, informierter und empathischer mit seelisch belasteten Personen umzugehen. Die Betroffenen sollen rechtzeitig an professionelle Hilfe weitervermittelt werden.

Geschichte über die Entwicklung beim Samariterbund

Das Stressbearbeitungs- und Kriseninterventionsteam des ASBÖ wurde im Jahr 2000 nach der schweren Gasexplosion in Wilhelmsburg gegründet. Anfangs bestand die Notwendigkeit, Peers als Helfer für Helfer auszubilden, doch schon während der schweren Hochwasserkatastrophe 2002 an der Donau kam es im Assistenzeinsatz mit der ABW zum ersten Einsatz im Bereich Krisenintervention und anschließend auch zur Ausbildung der ersten Kriseninterventionshelfer, die in Kooperation mit ABW ihr Praktikum in Wien absolvieren konnten.

Seit 2003 wird im Raum Niederösterreich, Wien und dem Burgenland der Dienst der Kriseninterventionshelfer im Rettungsdienst vollwertig angeboten, im Jahr 2006 kam ein Team in Tirol dazu. In Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark sind Peersteams im Aufbau, an eigenständige Kriseninterventionsteams ist in diesen Bundesländern derzeit nicht gedacht. Im Jahr 2008 erfolgte die offizielle Aufnahme in die Plattform. Derzeit verrichten österreichweit im Betreuungsteam des ASBÖ 73 Kriseninterventionshelfer, Peers und Fachliche Experten Bereitschaftsdienst.

Die Arbeit des Betreuungsteams umfasste verschiedene Schwerpunkte, die im Folgenden kurz angeführt werden:

KIT-Einsätze:

Das sogenannte Tagesgeschäft entwickelt sich langsam aber sicher hin zu immer mehr Alarmierungen und Einsätzen, wobei die Einsatzdichte in den Regionen Wien, Tirol, Niederösterreich Zentralraum/Süd, Wien-Umgebung und Nord sehr unterschiedlich ist. Die Einsatzstatistik weist insgesamt jedes Jahr stark steigende Zahlen auf, in erster Linie in den Regionen, wo die Alarmierungsstrukturen mittels Leitstellenalarmierung über Einsatz-SMS bereits gut funktioniert und die Kooperation mit den Partnerorganisationen aktiv gestaltet wird. Hierbei soll in Niederösterreich die intensive Kooperation mit dem Akutteam Niederösterreich, aber auch mit dem ÖRK und der NFS und in Wien auf dem Sektor der Großschadenslagen mit der ABW hervorgehoben werden, die sich seit der Aufnahme in die Plattform noch deutlich intensiviert haben. Die Indikationen sind seit 2006 völlig identisch mit den Einsatzindikationen der Plattform und des ÖRK.

SBE-Einsätze:

Die Arbeit der sogenannten Peers ist unsere Basis im Bereich der psychohygienischen Angebote für die MitarbeiterInnen und dennoch noch stark ausbaufähig.

Aus- und Weiterbildung:

Seit dem Jahr 2001 wurden in KIT- und SBE-Kursen in Tirol, Wien und Niederösterreich Kriseninterventions-MitarbeiterInnen und Peers nach den Richtlinien der Plattform für Akutbetreuung ausgebildet.

Großschadensereignisse:

Seit Beginn unserer Entwicklungsarbeit war das Betreuungsteam bei mehreren Großschadensereignissen im Einsatz. Besonders sind die Aufarbeitung des Tsunami Einsatzes am Flughafen Wien-Schwechat, die Hochwassereinsätze an der Donau, in Tirol und im Marchfeld sowie die Stellung von hunderten Dienstbereitschaften im Rahmen der EURO 2008 zu nennen.

Wissenschaftliche Evaluation der Betreuungsteams:

Durch die ideelle und finanzielle Unterstützung des Bundesvorstandes unter dem Präsidenten Franz Schnabl war es möglich, eine in Kooperation mit der Donau-Universität Krems 42 durchgeführte wissenschaftliche Evaluationsstudie durchzuführen. Der Bundesverband plant in Kooperation mit der DUK ein Buchprojekt. Der Chefarzt des ASBÖ Niederösterreich und Gesamtleiter des Teams Franz Holzhauser leitete an der DUK den ersten deutschsprachigen Universitätslehrgang für Psychotraumatologie und Stressmanagement.

Projekt „Betreuung im Bundesverband“:

Im Gefolge der Evaluationsstudie war es logisch, ein offizielles Bundesprojekt „Betreuung“ auf die Beine zu stellen. Es soll die Arbeit des Betreuungsteams in allen Bereichen des Verbandes österreichweit implementieren helfen und in allen Bereichen auf eine einheitliche und strukturierte Basis stellen. Grundlage der Durchführungsbestimmungen ist der jeweils gültige Leitfaden der Plattform. Die Finanzierung des Betreuungsteams wird durch unser Projekt neu geregelt und zwischen dem Bundesverband und den Landesverbänden gerecht aufgeteilt.

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Ihre SamariterInnen aus Wien Favoriten

Bild: Kostenloses Foto auf Pixabay – Danke