Aggression gegen Gesundheitspersonal steigt weiter

Verleumdungen, Beschimpfungen, Morddrohungen: Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Sanitäter nehmen ein deutliches Zunehmen der Aggression dem Gesundheitspersonal aber auch Gesundheitsexperten und Polizei gegenüber wahr. Eine Altenbetreuerin wird von Teilnehmern einer nicht angekündigten Demonstration tätlich angegriffen. Ärzt*innen bekommen Todesdrohungen, Rettungsfahrer werden brutal attackiert – was kommt als Nächstes? Die Radikalisierung von Teilen der Corona-Maßnahmengegner*innen ist beängstigend.

Gesundheitspersonal, das im Rahmen der Corona-Pandemie im Einsatz ist, wird immer häufiger zur Zielscheibe von Beleidigungen und Drohungen durch Impfgegner, Corona-Leugner und andere Kritiker der Schutzmaßnahmen. Sie wurden in den vergangenen Monaten vermehrt Opfer von verbaler und körperlicher Gewalt. Mitunter erfordert dies Security bzw. sogar Polizeischutz. Für viele Beschäftigte im Gesundheitswesen gehört es zunehmend zum beruflichen Alltag, dass ihnen Aggressivität entgegenschlägt – etwa, wenn sie Patientinnen und Patienten darauf hinweisen, die Corona-Regeln einzuhalten oder sie nach ihrem Impfstatus befragen. 

Aggression, Beschimpfung und Beleidigungen

Rücken Rettungswagen mit Blaulicht und Folgetonhorn aus, schießt der Adrenalinspiegel der Notfall- und Rettungssanitäter*innen sowie Notärzt*innen nicht nur wegen der schnellen Fahrt in die Höhe. Viele machen sich auch Gedanken, was ihnen ganz persönlich am Einsatzort widerfahren könnte. Denn die Helferinnen und Helfer sehen sich seit Jahren Situationen ausgesetzt, in denen sie um die eigene körperliche Unversehrtheit fürchten müssen. Beschimpfungen und Beleidigungen, gefolgt von Gewaltandrohungen bis hin zu tätlichen Übergriffen müssen dabei immer gefürchtet werden. Notärzte und Sanitäter arbeiten wegen Corona seit nunmehr zwei Jahren unter erschwerten Bedingungen. Desinfektion der Rettungswagen und das Anziehen der Schutzanzüge kostet auf der einen Seite Zeit, auf der anderen Seite „ist die Arbeit darin extrem schweißtreibend, weil die Anzüge so dicht sind, dass keine Wärmeabgabe nach außen möglich ist. Allein diese direkten Auswirkungen der Pandemie sind belastend für das Gesundheitspersonal.

Gründe

Gründe für die Stigmatisierung und Angriffe sind neben der Angst vor einer Ansteckung auch Wut und Trauer über den Tod von an Covid-19 erkrankten Familienmitgliedern, für den immer wieder Gesundheitspersonal verantwortlich gemacht wird. Auch Stress aufgrund von Ausgangsbeschränkungen und daraus resultierender wirtschaftlicher Probleme sowie Unwissen und falsche Informationen über Covid-19 spielen eine Rolle. Aber auch Hass und Gewalt im Netz nehmen immer weiter zu. Es werden bewusst falsche Gerüchte und Verschwörungstheorien (z. B. „Dahintersteckt ein geheimer Plan…“), gemeine Geschichten oder erfundene „Tatsachen“ verbreitet, um diese schlecht zu machen.

Zu Beginn beklatscht und jetzt?

Erinnern wir uns daran, dass das Gesundheitspersonal am Beginn der Pandemie beklatscht wurde, und jetzt kommt es zu Übergriffen. Ärzt*innen, die um das Leben von Menschen kämpfen, kommen mit diesen Angriffen sehr schlecht zurecht. Sie verstehen die Welt nicht mehr. Omikron bedeutet, dass es mehr Patienten zu behandeln gibt und weniger Personal, um sie zu behandeln. Und bedenken wir – auch Helfer werden krank. Gleichzeitig stellt die Pandemie humanitäre Akteure vor ungeahnte Herausforderungen: Reise- und Ausgangsbeschränkungen erschweren den Zugang, medizinische Hilfsgüter sind rar, Lieferketten unterbrochen.

Prävention jetzt besonders wichtig!

Daher ist es jetzt wichtig, dass seriös über das Virus informiert wird und Helferinnen und Helfer geschützt werden. Die Angriffe haben Auswirkungen auf die körperliche und mentale Gesundheit der betroffenen Personen und führen dazu, dass sie ihre Arbeit nicht oder nur eingeschränkt durchführen können – und das oft in ohnehin überlasteten Gesundheitssystemen.

Im Fokus stehen dabei von Anfang an die seit Beginn radikale Bewegung der Maßnahmen- und Impfgegner. Laut dem neuen Staatschutz-Chef, Omar Haijawi-Pirchner, gehört die Szene der Maßnahmen- und Corona-Rebellen derzeit zu den “größten Bedrohungen in der Republik.” Es ist daher wichtig, präventiv tätig zu sein. Aber auch potentielle Opfer sollen sensibilisiert werden. An Mitarbeiter im Bereich des Gesundheitssektors hat die DSN deswegen nun ein Informationsschreiben mit möglichen Schutzmaßnahmen versendet.

Tipps und Infos

Die Tipps richten sich insbesondere an Arztpraxen, Impfstraßen, Ambulanzen und Krankenhäuser.
Unter dem Punkt “Allgemein” wird etwa dazu geraten, sofern vermeidbar, keine Unternehmens-Logos auf Kleidungsstücken zu tragen. Wenn möglich soll man auch keine Arbeitskleidung im öffentlichen Raum tragen. Als Beispiel wird eine Sanitäter-Uniform genannt. Mit dieser gesehen zu werden birgt also offenbar ein erhöhtes Risiko. Bei Fahrzeugen sei darauf zu achten, “keine auf einen Gesundheitsberuf bezogenen Plaketten und andere Hinweise sichtbar im Auto anzubringen”. Schilder wie “Arzt im Dienst” sollen also nur wenn das unbedingt notwendig ist hinter der Windschutzscheibe platziert werden. Auch auf die sichtbare Deponierung von Berufskleidung im Auto soll verzichtet werden. Was ist mit unserer Gesellschaft passiert?  

Zusätzlich Schulungen

Es gibt zusätzliche Schulungen des Personals in Deeskalation, Kommunikation und Selbstschutz. Einsatzlagen, etwa Feste mit vielen alkoholisierten Besuchern, sollten frühzeitig identifiziert werden als Orte, an denen Gewalt droht. Vor allem aber: Die Dokumentation von Gewalttaten gegen Rettungskräfte sollte konsequent erfolgen – und deren Weiterleitung an Strafverfolgungsbehörden.

Solidarität

Diese Menschen riskieren ihre eigene Gesundheit für uns alle, indem sie Covid-19-Patienten behandeln und eine Weiterverbreitung des Virus verhindern. Sie dürfen nicht dafür bestraft werden, dass sie sich in solch einer herausfordernden Situation mit ganzer Kraft für andere Menschen einsetzen.

Wir brauchen darüber hinaus Kampagnen, die verdeutlichen, dass unser Gesundheitspersonal allen kranken und verletzten Menschen nach Schwere ihrer Krankheit und Dringlichkeit der Behandlung helfen wollen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Solidarität mit den Beschäftigten im Gesundheitswesen sind „gerade in Zeiten wie diesen wichtiger denn je.“

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