Praxisanleitung in der Besuchs- und Therapiebegleithundearbeit

Neben der umfangreichen theoretischen Ausbildung ist die Praxis in der Besuchs- und Therapiebegleithundearbeit ein wesentlicher Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von unseren Hundeführer:innen. Den eingesetzten Praxisanleiter:innen kommt eine hohe Verantwortung für die Schaffung von Handlungskompetenz bei den betreuten Auszubildenden zu. Genauso wichtig ist die Supervision. Sie ist die psychosoziale und kollegiale Beratung und findet in einer Kleingruppe sowie in einem wertschätzenden, achtsamen und vertraulichen Rahmen statt. Denn wenn die Seele Hilfe braucht, ist es wichtig für unsere Kolleg:innen da zu sein.

Gerade bei Einsätzen „mit Menschen“, also in der tiergestützten Pädagogik und Aktivität mit Kindern und Jugendlichen und mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, ist eine gute Praxisanleitung essentiell, um eine fundierte fachpraktische Ausbildung zu ermöglichen. Unsere Trainer:innen und Praxisanleiter:innen üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich, aus. Unsere Hundetrainer:innen sind  akad. geprüfte Kynolog:innen und Tierschutzqualifizierte Hundetrainer:innen und besitzen die notwendigen Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten und Qualifikationen. Weil Ausbilder und Trainer die Ausbildung von mehreren AZUBIS nicht parallel bei jedem Training bzw. Einsatz begleiten können, müssen zur Unterstützung weitere engagierte und interessierte Mitarbeiter:innen gefunden werden, die bereit und fähig sind, bei der Ausbildung zu unterstützen.

Diese Kolleg:innen werden „Praxisanleiter“ genannt

Die Praxisanleitung kann grob mit Ausbildungsbegleitern in Unternehmen verglichen werden. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der praktischen Ausbildung zur/zum Besuchs- und Therapiebegleithundeführer:in und dient als Ergänzung zur theoretischen Ausbildung. Praxisanleiter gehen anhand des Ausbildungsplans vor, beachten Voraussetzungen und halten sich genau an die Richtlinien für Ausbildungsstätten. Sie führen Auszubildende schrittweise an die einzelnen Tätigkeiten heran und unterstützen AZUBIS dabei, das theoretisch erworbene Fachwissen zielgruppengerecht bei Klienten in die Praxis umzusetzen. Es geht dabei nicht bloß darum, bestimmte Situationen einzuüben – die angehenden Therapiebegleithundeführer:innen sollen nach der Ausbildung auch selbstständig und flexibel auf neue Situationen und vielerlei Herausforderungen reagieren können. Die Praxisanleiter:innen vermitteln also auch Problemlösungs- und Kommunikationsstrategien. Auch wird auf die Selbstfürsorge, auf die Gesundheit des Tieres und auf die Erste Hilfe bei Mensch und Tier wird bei uns besonders Wert gelegt.

Aufgabenbereiche

Gute Mensch-Hund-Kommunikation ist die Basis von modernem und tierschutzkonformem Training. Nachhaltige, moderne Hundeerziehung basiert auf Motivation, Freude und liebevoller Unterstützung. Tiergestützte Aktivitäten sind geplante und zielorientierte Besuche, die von Mensch-Tier-Teams mit motivationalen, erzieherischen, bildenden oder entspannungs- und erholungsfördernden Zielsetzungen durchgeführt werden. Durch den theoretischen Input und die Vermittlung von Einsatzerfahrung wird eine vielseitige Einführung zu den Themen “Kommunikation und Gesprächsführung”, “Wissensweitergabe”, “Rechtliche Grundlagen” sowie “Dokumentation” vermittelt. Die Tätigkeit der Praxisanleiter umfasst die Mitwirkung bei der Entwicklung von pädagogischen Konzepten für die jeweilige Zielgruppe (Kindergärten, Kindertagesheime und Schulen, Behinderten-, Pflege- und SeniorInneneinrichtungen, Tageszentren und SozialstationenBesuche von Einzelpersonen, Öffentlichkeitsarbeit bei Veranstaltungen, …). 

Wissensvermittlung für die praktische Prüfung

Die Bereitschaft zu den hohen Anforderungen an die fachlichen, sozialen und pädagogischen Kompetenzen ist von großer Bedeutung. Praxisanleiter sollen die Lernenden informieren, begleiten und beraten und ihre praktischen Leistungen beurteilen. Zudem planen die Praxisanleiter die praktische Anleitung, inkl Durchführung und Auswertung, sowie dokumentieren die Anleitungssituationen in Wöchentlichen Trainingsprotokollen.

Die Rolle der Hundetrainers und Praxisanleiters hat sich in den in den letzten Jahren stark gewandelt: vom rein fachlichen Experten und Lehrer zum Berater, Coach, Mentor, Trainer, Motivator, Lernprozessbegleiter – oder gar Elternersatz

Es steht nicht nur die Vermittlung von Fachwissen, sondern ebenso die Stärkung der persönlichen Entwicklung des Auszubildenden im Vordergrund. Die Praxisanleitung ist ein dynamischer Bereich, der es erfordert immer am neusten Stand der Forschung und Entwicklungen in der Hundearbeit zu sein. Die aktuellen gesetzlichen Richtlinien und Vorgaben sind dabei genau zu befolgen.

Voraussetzungen, Aufgaben und Kenntnisse

Praxisanleiter sind selbst ausgebildete Therapiebegleithundeführer:innen mit einer mehrjährigen Einsatzerfahrung in allen angebotenen Einsatzbereichen. Praxisanleiter können wie auch Trainer die an sie gestellten Anforderungen nur dann erfüllen, wenn neben der fachlichen Qualifikation erfüllen. Grundsätzlich ist eine Fortbildung im Ausmaß von 20 Stunden im Zeitraum von zwei Jahren zu erbringen, jedoch fachbezogenes Zusatzwissen kann und soll erworben werden, denn die Vermittlung von Wissen und Erfahrungen soll praxisnah und kompakt erfolgen. Trainer und Praxisanleiter nutzen Online- und Offline-Tools in Form von Fachliteratur, Arbeitshilfen, Expertentipps und Coachings.

Hier ein kleiner Auszug davon:
  • Bestimmungen über die tierschutzkonforme Ausbildung von Hunden
  • praxisbezogene Unterweisung
  • Vermittlung der festgelegten Ausbildungsinhalte
  • Rahmenbedingungen von Lernprozessen in der Ausbildung 
  • Curricula und Leitlinien für einen optimalen Einsatzablauf
  • Anwendung von Arbeits- und Lernkontrollen
  • Führen von Feedbackgesprächen
  • Beurteilung und Förderung der Auszubildenden
  • Vermittlung Lernpsychologie und Lernphysiologie
  • Vermittlung von Gruppendynamische Prozessen
  • Selbstbestimmtes Lernen
  • Methodische und Didaktische Prinzipien für den Einsatz
  • Planung, Organisation, Durchführung und Beurteilung von Anleitungsprozessen
  • Rechtliche Grundlagen für die praktische Ausbildung und den Einsatz
  • Digitales Lernen
  • Gesprächsführung in der Gruppe
  • Organisation des Besuchsdienstes in den unterschiedlichen Einrichtungen
  • Normative Grundlagen der Aus- und Weiterbildung in der Therapiebegleithundearbeit
  • Gruppenarbeiten und Übungen
  • Vermittlung der Spiel- und Trainingsphilosophie 
  • Praxisreflexion und Supervision
  • u.v.m.

 

Leitmotiv unsere Arbeit als Praxisanleiter ist ein chinesisches Sprichwort:

 

„Sage es mir, und ich werde vergessen
Zeige es mir, und ich werde mich erinnern
Binde mich ein, und ich werde verstehen
Tritt zurück, und ich werde handeln.“

 

Tiergestützte Pädagogik für Jung und Alt 

Erleben: In dieser Bezeichnung steckt praktisches Lernen für eine professionelle Umsetzung. Tiergestützte Erlebnispädagogik ist mittlerweile ein fester Bestandteil in der Begegnung mit Kinder-und Jugendlichen aber auch mit Senior:innen und ganz besonders bei Öffentlichkeitsveranstaltungen. Eines ist immer gleich: Alle sind voller Erwartung und  alle wollen etwas erleben!

„Erlebnisse sind Bewusstseinsvorgänge, in denen der Mensch tief innerlich und ganzheitlich von der Sinn- und Wertfülle eines Gegenstandes ergriffen wird“

Mit der Vermittlung von Grundsätzen in der Erlebnispädagogik wollen an unsere Besuchs- und Therapiebegleithundeteams Grundsätze vermitteln, die sie für professionell angeleitete Gruppenerfahrungen benötigen. Die dabei angewendeten Methoden finden Ihren Ansatz in der Spiel-, Abenteuer und Lernpädagogik bis zur Tiergestützten Arbeit und Prävention.

Im Zentrum steht immer die Mensch-Tier-Beziehung und die Gruppenarbeit
  • Stärkung des Selbstwertgefühls: Die Erlebnisse sollen die Kinder und Jugendliche stärken. Sie sollen sehen, was sie alles schaffen können, wenn sie es sich nur zutrauen.
  • Verbesserte Kommunikationsbereitschaft: Im Prinzip geht es darum, dass der Teamgeist gefördert wird und dass alle besser miteinander kommunizieren und bessere Teamplayer werden.
  • Verbessertes Körpergefühl: Bewegung bringt Vitalität und Lebensgeist.
  • Eigene Grenzen erkennen: Erlebnispädagogik ist auch Grenzerfahrung – wie weit kann ich gehen? Was schaffe ich und was nicht? Das Nicht-Schaffen wird niemals als Niederlage gewertet. Es geht bei den Herausforderungen nicht um “höher, schneller, besser”, sondern einfach ums Machen.
  • Achtsamkeit: Das derzeitige Zauberwort: Du erkennst, was z.B. die Körpersprache eines Hundes deutet. Das gibt dir innere Ruhe und Gelassenheit.
  • Positivere Lebenseinstellung: Du hast etwas gelernt und du weißt auch, dass du etwas gelernt hast. Und diese Erfahrung wird dich stärken und sie kann dir in kniffligen Situationen helfen. Das nennt man dann in akademischen Kreisen die “Transferleistung”.

 

Die Vier-Stufen-Methode nach Kraus

Diese ist besonders auf das Nachmachen ausgerichtet und dient damit dem praxisgerechten Erlernen seiner Tätigkeit bei Besuchseinsätzen. Die Abfolge der Anleitung beginnt mit dem

  • Vorbereiten des Auszubildenden: Es erfolgt eine Analyse der Situation und ihrer Dimensionen, des Bedarfs und der Planung, die Rahmenbedingungen und der Lernbedarf des Hundeteams (Hundeführers und Hund) werden geklärt. Dazu findet eine Vorbesprechung mit dem/der Hundeführer/in statt.
  • Vorführen und Erklären: Dem schließt sich die Begrüßung und Information der Klienten an, die Durchführung findet entsprechend dem Ausbildungsstand des Hundeteams statt und endet mit der Dokumentation des Handlungsablaufs
  • Ausführen lassen: Im Sinne des selbstständigen Übens des auszubildenden Hundeteams darf
    dieser die Tätigkeit nun unter Kontrolle des Anleiters selbst vornehmen
  • Auswerten und Abschließen der Anleitung: Dies findet in einem Feedbackgespräch mit
    dem auszubildenden Hundeteam statt und beinhaltet eine differenzierte Reflexion der Mensch-Hund-Klientenhandlung. Der Praxisanleiter erläutert seine Beobachtungen, gibt eine qualitative Einschätzung ab und vereinbart mit dem Schüler Ziele für weitere Anleitungen. Die Handlungskompetenz soll dabei laufend gefördert werden. 

 

Was macht ein Einsatz-/Besuchskoordinator?

Wie der Name verrät, ist es die Hauptaufgabe zu koordinieren. Sie organisieren Veranstaltungen, Besuche in diversen Einrichtungen, Ausbildungen und Projekte, lösen Probleme und treffen Entscheidungen. Das Richtige Personal – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – heißt die Devise! Unsere Besuche finden immer nach Absprache mit der Leitung der Einrichtung und den Hundeteams in regelmäßigem Turnus statt.

“Koordination löst Verteilungskonflikte, trägt dazu bei, dass die Arbeitsabläufe so gestaltet werden, dass Doppelarbeit vermieden wird. Koordination führt dazu, dass die Ziele unserer Tätigkeit stets bewusst gemacht, in den Einsätzen einheitlich angewandt und ggf. auf Verbesserungs- und Änderungsmöglichkeiten hin überprüft werden”

Sie überwachen Aufgaben und Prozesse und sorgen dafür, dass diese termingerecht begonnen und beendet werden. Für das eingesetzte Team delegieren sie Aufgaben und weisen Teammitglieder konkrete Aufgaben zu. Sie überprüfen auch, dass Ressourcen effizient eingesetzt werden. Sie sorgen dafür, dass alle Aufgaben unter den gesetzlichen Bedingungen und mit den besten Methoden umgesetzt werden. Sie holen Feedback ein und lassen dieses in zukünftige Besuche und die Ausbildung einfließen. 

Supervision-Debriefing

Pallitivpatient:in stirbt während des Betreuungseinsatzes, oder dein treuer Vierbeiner stirbt plötzlich und unerwartet, oder belastende Einsatzerfahrung nach einem Rettungshundesucheinsatz, oder ? Peers als Helfer für Helfer: Es gilt immer danach die richtige professionelle Hilfe zu suchen/zu finden/ anzubieten. Debriefing ist eine Methode der Notfallpsychologie und der Katastrophenhilfe, die einzeln oder in Gruppen durchgeführt werden kann. Die Methode unterstützt Helfer:innen nach belastenden Einsätzen, um Spätfolgen des Einsatzes zu verhindern. Debriefing soll, durch Arbeit an den individuellen Ressourcen, bewältigende Verarbeitungsprozesse fördern und Fehlverarbeitungen vorbeugen. Supervisor:innen unterstützen mit der Methode des Debriefings Helfer:innen um durch Ressourcenarbeit Spätfolgen des belastenden Einsatzes zu verhindern und einem posttraumatischen Belastungssyndrom vorzubeugen.

 

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