Blackout – der längerfristige Stromausfall – was tun?

 “Stell dir vor, es geht das Licht aus” – heißt ein Lied aus dem Jahr 1952 gesungen von Paul Hörbiger und Maria Andergast.  Was im Film “Hallo Dienstmann” einen romantischen Hintergund hatte, könnte huete zu einer enormen Herausforderung für die Gesellschaft werden. Was tun, wenn alles finster ist – und vor allem länger bleibt? Wahrhaben wollen es nur wenige, doch Experten waren bereits seit Jahren davor! Es ist, als würde man in einem Haus den FI-Schalter umlegen. Blackout ist kein Event, das im Kalender steht. Die Frage ist nicht, ob ein Blackout passieren wird, sondern wann er kommt. Stadtwerke befürchten, dass aus der aktuellen Gaskrise auch eine Stromkrise werden könne. 

Schon wieder Stromausfall! Betroffen waren – Gott sei Dank – nur von einem regionalen Stromausfall für ein paar Stunden – Haushalte in verschiedenen Wiener Bezirken. “An der Behebung wird gearbeitet – Wir informieren Sie, sobald die Unterbrechung der Stromversorgung weitgehend behoben ist”, heißt es dann immer von den Wiener Netzen. Nach ein paar Stunden war bis dato die Stromversorgung in den betroffenen Stadtteilen weitestgehend wieder hergestellt. Tatsache ist jedoch, dass diese “kleinen Stromausfälle” leider immer mehr werden und die Menschen verunsichern!

Die gute Nachricht:

Das war jedes Mal kein Blackout – auch wenn die Medien das Wort gerne als “Schlagzeile” benutzen. Ein großflächiges Blackout ist in Österreich eine reale Gefahr. Die Vorkehrungen werden deshalb nun verstärkt. Kommt es zu einem längerfristigen Strom-, Wasser- und Infrastrukturausfall, so bedeutet dies eine große Herausforderung für uns alle. Nach den Stromausfällen in Wien und  Tirol verzeichnen der Österreichische Zivilschutzverband und die Helfer Wiens jetzt vermehrt Anfragen zum Thema Blackout. 

Bis jetzt – nix passiert!

“In Österreich sind wir im Jahr 2021 glücklicherweise an einem europaweiten flächendeckenden Stromausfall nur knapp  vorbeigeschrammt. Spontan können lediglich zwei Drittel der Bevölkerung den Begriff “Blackout” überhaupt korrekt zuordnen. Leider sehen viele dieses Thema als “Panikmache” denn nur jeder 10. ist davon überzeugt, dass Österreich schon bald von einem Blackout betroffen sein wird. Die Folgen eines längerfristigen Stromausfalls gehen weit darüber hinaus. Es zeigt sich immer wieder: Der Teufel steckt im Detail. Vermeintliche Sabotageakte wie jene in Deutschland und der Ostsee haben gezeigt, wie fragil kritische Infrastruktur sein kann,” erklärt Wolfgang Zimmermann, Zivil- und Katastrophenschutzexperte.

Schon einmal überlegt, was passiert, wenn das Licht länger ausgeht?

Spätestens nach zwei Stunden funktioniert auch der letzte Handymast nicht mehr, in Ballungszentren nach nur wenigen Minuten. Auch die Festnetzversorgung wird nur mehr sehr eingeschränkt funktionieren, haben doch viele Kunden nur mehr einen stromabgängigen digitalen Anschluss. Nach nur 24 Stunden kippt das Kanalsystem, es beginnt vor allem in städtischen Gebieten sehr schnell fürchterlich zu stinken. Aber auch Lebensmittel in Kühl- und Gefriertruhen sind schnell verdorben. Leuchtende Dörfer und Städte sind nunmehr viel dunkler und es wird sehr schnell kühl und außerhalb von Gebäuden mit Kamin- und Kachelöfen, wird es auch ganz schnell kalt. 

 

Gründe gibt es mehrere:

Der ständig wachsende Strombedarf, erneuerbare Energien verfügen über keine Speicher, die alternde Infrastruktur, fehlendes Fachpersonal, Cyberangriffe, Sabotagen, Extremwetterlagen u.v.m. Am wahrscheinlichsten ist aber ein multisystemisches Versagen, also eine Kombination mehrerer Faktoren. Krieg und drohender Gasmangel schüren wieder neue Ängste vor einem Blackout. Die langsame Rückkehr zur Normalität ist also nicht vor der zweiten Woche zu erwarten. Nach einem Stromausfall reicht es nicht, nur die Energie wieder zur Verfügung zu stellen, was etwa in ganz Europa bereits eine Woche dauern könnte. Danach werden noch mehrere Tage vergehen, bis Internet und Telefonie wieder funktionieren, was aber unbedingt nötig ist, um die Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern zu versorgen. Der Katastrophenschutz benötige im Fall der Fälle unter anderem Personal für Krisenstäbe, Notstromaggregate sowie einen Vorrat an Treibstoffen. Kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser sowie Wasserversorgung u.v.m.. müssten aufrechterhalten werden. Wir können aus der Corona-Pandemie lernen und Krisenstrukturen stärken.

Nur 16 % der Österreicher haben für einen Blackout vorgesorgt

Allerdings glauben auch nur 8 %, dass Österreich davon betroffen sein wird. 57 % der Befragten halten einen Zusammenbruch der Stromversorgung laut einer Spectra-Umfrage für unwahrscheinlich. In Österreich wird es im kommenden Winter einem Stresstest des heimischen Netzbetreibers APG zufolge höchstwahrscheinlich keinen Mangel an Strom geben. Aber es geht in Bezug auf “Vorbereitet sein und Helfen Können” nicht nur um einen längerfristigen Stromausfall sondern um die komplette kritische Infrastruktur“. Aus diesem Grund hat auch der Samariterbund Wien einen eignen Blackout-Info-Folder für die Bevölkerung herausgegeben”, ergänzt Wolfgang Zimmermann.

Macht es Sinn sich darauf vorzubereiten?

Ja, absolut!  Bereits im Jahr 2010 gab es ein Krisenmanagement – Workshop „BLACKOUT“ der Wiener Hilfs- und Einsatzorganisationen gemeinsam mit der Stadt Wien. Wien rüstet sich für Winter–Blackout und auch die Stadt verstärkt Maßnahmen gegen Blackout und hat einen Wiener Energiesparplan entwickelt. Die Wirtschaftskammer hat einen Leitfaden “Sicher bei Blackout” und auch einen Folder mit Informationen und Tipps für Unternehmer herausgegeben und spezielle WKS-Webinare sollen Unternehmen aufklären. Denn der volkswirtschaftliche Schaden in Österreich läge laut Experten bei 1,2 Milliarden Euro täglich. Das Österreichische Bundesheer hat sogar ein eigenes Blackout-Kochbuch.pdf mit speziellen Rezepten herausgebracht. Die Stadt Linz warnt mit Flugblatt und so bereitet sich NÖ auf einen drohenden Blackout vor. Auch Wien Energie Experten warnen vor Blackout! In Kärnten fand Im November eine 4-tägige Blackout-Übung statt. Die Österreichs Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA unterzieht die heimischen Finanzdienstleister einem Blackout-Stresstest. Doch auch einige Energieversorger halten einen Blackout nach wie vor für unwahrscheinlich glauben jedoch eher an einen Braunout. Es sei durchaus möglich, dass es im Winter zur Energielenkung kommen muss, heißt es aktuell. 

Planung und Eigenbevorratung ist wichtig!

Die Verhinderung eines solchen Ereignisses ist sehr wichtig, jedoch noch viel wichtiger ist die Fähigkeit mit einem solchen oder ähnlichem Ereignis umgehen zu können. Dazu bedarf es jedoch einer aufgeklärten und selbstversorgungsfähigen Bevölkerung. Es gilt der Appell für eine ganzheitliche und gesellschaftliche Vorbereitung und Vorsorge auf erwartbare schwerwiegende Versorgungsunterbrechungen. Auch die Einsatzorganisationen und deren Familien werden bei einem solchen Ereignis zu Betroffenen. Wie wir einen solchen Notfall überstehen, hängt wesentlich von der persönlichen Vorsorge ab. „Denn nur, wenn die Menschen wissen, dass es ihrer Familie gut geht, gehen sie in die Arbeit und helfen beim Wiederhochfahren der Systeme. Bereits eine einfache Eigenbevorratung und einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren kann die Folgen deutlich abmildern. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass 87 % nicht vorbereitet sind. Dieses hohe Ergebnis ist nahezu erschreckend. Nutzen Sie diese Chance für sich und Ihre Familie! 

Konzentration auf das Notwendigste

Nur wenige Einrichtungen, darunter einige Krankenhäuser und Blaulichtorganisationen können ohne weitere Versorgung mit Benzin oder Diesel ein paar Tage weiterbetrieben werden. Bei einem dauerhaften Stromausfall werden aber auch eigentliche Stromlieferanten schnell zu einem Problem, Wasserkraftwerke, die auch die Durchflussgeschwindigkeit der Flüsse kontrollieren und allen voran Atomkraftwerke, die permanent gekühlt werden müssen. Die Wiener Berufsrettung oder Polizei ist für 72 Stunden gerüstet und hat Sonderverträge mit Treibstofflieferanten, um die Versorgung von Dieselaggregaten abzusichern.

Ohne Verbindung keine Kommunikation und Information

Das schlimme ist das Ungewisse! Geschehen große Unglücke wie Hochwasser oder Erdbeben, denken die meisten Menschen zuallererst daran, bei ihren Liebsten anzurufen. Im besten Fall, um mitzuteilen, dass es ihnen gut geht. Alle Kommunikationsebenen sind abgeschnitten, kein Telefon, kein Radio, kein Fernsehen, keine Zeitungen. Ein europaweiter Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) führt zu weitreichenden Folgen. So muss mit einer mehrstündigen bis mehrtägigen Stromversorgungsunterbrechung bzw. mit Rückschlägen gerechnet werden, vor allem auf europäischer Ebene. Darüber hinaus wird es Tage und in einzelnen Bereichen sogar Wochen und Monate dauern, bis sich die Versorgungslage wieder normalisiert. Der ORF und die Privatsender können als kritische Infrastruktur eine gewisse Zeit durchhalten, um die Bevölkerung weiter zu informieren. Dafür benötigen Sie jedoch batteriebetriebene Radios, um weiter Informationen zu bekommen. Auch die Telekom-Anbieter befassen sich intensiv sich mit ihrer Durchhaltefähigkeit.

Psychische Belastung

Die psychische Belastung eines kurzen Stromausfalles ist für viele Menschen bereits nach kurzer Zeit deutlich spürbar. Nachdem ein Blackout für uns unvorstellbar ist, ist es auch schwer vorhersehbar, wie wir auf die totale Dunkelheit und Ungewissheit bzw. auf das, dass auf einmal überhaupt nichts mehr funktioniert, reagieren werden. Vor allem die persönliche Ungewissheit, was mit den anderen Familienmitgliedern ist bzw. wo sie sich befinden, wenn kein Handy mehr geht, kann eine hohe Stressbelastung auslösen. Die Kooperation und Selbstorganisation auf lokaler Ebene ist ganz entscheidend, wenn die gewohnte organisierte Hilfe nicht mehr wie gewohnt funktioniert. Und je besser man sich mit diesem Szenario auseinandergesetzt hat, desto leichter wird dies auch gelingen.

Probleme nicht nur in der Großstadt

Ohne Strom können rund eine halbe Million Milchkühe in Österreich nicht mehr gemolken werden und unzählige andere Tiere nicht mehr gefüttert. Nicht entsorgter Müll, Exkremente und Tierkadaver bilden bereits nach wenigen Tagen ideale Brutherde für Insekten und Krankheiten – insbesondere im Sommer, wenn es heiß ist. Dieser Umstand ist besonders dramatisch, da es auch um die Hygiene der Menschen schlecht bestellt ist. Es gibt kein fließendes Wasser mehr zum Trinken oder Kochen und schon gar kein Warmwasser mehr zum Baden oder Duschen und auch die Toiletten sind ohne Wasser nicht zu benützen.

Vorbereitung ist 90 % des Erfolges

Vorbereitet sein und helfen können! “Prävention” bedeutet vor allem eines: Mit Information und Kursangeboten im Idealfall dafür zu sorgen, dass erst gar nichts passiert, bzw. richtiges Verhalten in kleinen und großen Notfällen zu lernen. Dabei spielt die persönliche Vorsorge eine wichtige Rolle um ein Extremereignis gut überstehen zu können. Ratgeber des Österreichischen Zivilschutzverbandes geben dabei Hilfestellung,” erklärt Wolfgang Zimmermann, Zivil- und Katastrophenschutzexperte.

Samariterbund Vorsorge-Tipps: 

 

Machen auch Sie mit!

 

Ihre SamariterInnen aus Wien Favoriten

Foto: Samariterbund