Offensive Gesundheit – Mehr von uns, besser für alle …

Bis 2030 werden rund 41.000 Pflegekräfte in Pension gehen. Unser Gesundheits- und Sozialsystem sieht sich seit Langem, und nicht erst seit der weiter andauernden Pandemie, mit der Situation konfrontiert, dass die täglichen Aufgaben in allen Bereichen unseres Gesundheits- und Sozialsystems in dieser Form nicht länger bewältigbar sind! bereits jetzt werden etwa 80 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen in Österreich laut Sozialministerium von Angehörigen zu Hause gepflegt.

Die derzeitige Situation in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Pflege und Betreuung ist mehr als prekär und mittlerweile in ganz Österreich zu einem großen Problem geworden. Das Pflegepersonal ist erschöpft und kann nicht mehr. Die körperlichen und psychischen Belastungen in diesen Bereichen haben mittlerweile die rote Linie weit überschritten und es ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Es sind vor allem Frauen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Gesamtgesellschaftliche Krisensituationen wie die COVID-19-Pandemie, Überarbeitung, persönliche Verluste aber auch Verlustängste verursachen großen Druck auf die Psyche und Gesundheit. Krankenstände durch Corona belasten zusätzlich.

456.000 Menschen sind in Österreich auf Pflegeleistungen angewiesen

Das ist mehr als das Bundesland Vorarlberg Einwohner hat. Jeden Tag kommen 27 neue Fälle dazu. Im Jahr 2050 werden 750.000 Menschen Pflegeleistungen brauchen. Pflegeorganisationen schätzen, dass es bis 2050 rund 40.000 zusätzliche Fachkräfte in der Langzeitpflege braucht, um den Bedarf zu decken. Fast 950.000 Angehörige sind in die Pflege ihrer Lieben involviert – und viele von ihnen sind mit der Situation überfordert. Sie müssen sich mühsam Informationen und Hilfe organisieren und Plätze in Pflegewohnheimen sind nicht ausreichend vorhanden.

Das Thema Pflege wird derzeit heiß diskutiert

Eine Studie hat gezeigt, dass Pflegekräfte im internationalen Vergleich in Österreich besonders belastet sind. 35 Prozent der Befragten haben von gesundheitlichen Problemen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit berichtet. Statt Verbesserungen gibt es einen Maulkorb für das Pflegepersonal und für die Betriebsräte. Doch dabei darf es nicht nur ums Geld gehen. Im Mittelpunkt aller Strategien muss unbedingt der Mensch stehen: die pflegebedürftige Person, ihre Angehörigen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegedienst. Damit ein Altern in Würde möglich ist. Dem Samariterbund ist dieser Aspekt wichtig. Am 13. September startete eine groß angelegte Plakat-Kampagne unter dem Motto #samaritergepflegt

Fakten

  • Bis 2030 werden rund 41.000 Pflegekräfte in Pension gehen.
  • 152.000 Menschen arbeiten in Pflegeberufen. Bis zum Jahr 2030 werden rund 76.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt.
  • Es gibt 950.000 pflegende Angehörige in unserem Land. Davon sind rund 300.000 berufstätig.
  • Über 130.000 Menschen in Österreich sind von einer Demenzerkrankung betroffen. Diese Zahl wird sich bis 2050 mehr als verdoppeln

 

Was eine umfassende Reform der Pflege braucht

  • Personal
  • Arbeitsbedingungen
  • Ausbildung
  • Weiterentwicklung
  • Investitionen
  • Versorgungssicherheit
  • Bessere Finanzierung zur Verbesserung der Arbeits- und Entgeltbedingungen
  • Mehr und flächendeckende Ausbildungsplätze und eine finanzielle Absicherung (Einkommen) während der Ausbildung sind unumgänglich, etwa durch bezahlte Praktika
  • Vom Gesetzgeber vorgeschriebene Fort- und Weiterbildungen müssen im vollen Ausmaß als bezahlte Arbeitszeit gewährt werden und alle dafür anfallende Kosten sind den ArbeitnehmerInnen zu finanzieren.
  • Maßnahmen zur Erhaltung der psychischen Gesundheit der MitarbeiterInnen müssen im vollen Umfang zur Verfügung stehen. Dazu gehören u.a. Supervision (Einzel und in Gruppen), Coaching, Teambesprechungszeiten
  • Mehr Ressourcen für Dokumentationen, Datenerhebungen, Wegzeiten, Recherchen, Amtswege usw., die in vielen Berufsbildern auf gesetzlichen bzw. betrieblichen Vorgaben beruhen. Die administrative Tätigkeit muss auf ein brauchbares Maß reduziert werden.
  • KlientInnen-Anzahl und Gruppengrößen müssen menschliche Begegnungen und Beziehungsarbeit gewährleisten. Leistungsvorgaben sind danach auszurichten.
  • Ein ausreichendes Pflegebudget ist zur Verfügung zu stellen und für mehrere Jahre zu garantieren! Die Pflegefinanzierung, ein einheitlicher Qualitätsstandard und Personalschlüssel gehören bundesweit geregelt und sichergestellt. Dies auch deshalb, damit Planungs- und Vertragssicherheit gewährleistet ist.
 

Zu Beginn beklatscht, mittlerweile leider auch oft beschimpft und angefeindet

Aufgrund der aktuellen Vorfälle gegen Gesundheitspersonal in Spitälern, Test- und Impfstraßen wollen wir die Solidarität mit den Helfer*innen hochhalten und wieder zusammen rücken. Denn nur gemeinsam bewältigen wir die Pandemie. Zeige auch DU dich solidarisch mit ALLEN Helfer*innen!
 

Die Politik muss handeln!

Corona hat uns gezeigt, wie wichtig ein gut ausgebautes Gesundheits- und Pflegesystem ist. Arbeiterkammer, Gewerkschaften und Ärztekammer haben sich zur “Offensive Gesundheit” zusammengeschlossen, um die Zukunft der Versorgung in Gesundheit und Pflege zu sichern. Mit der Roadmap Gesundheit 2020 wurden bereits konkrete Umsetzungsvorschläge übergeben. Weitere Infos: https://offensivegesundheit.at/5nach12/und unter www.worte-reichen-nicht.at kannst du uns mit deiner persönlichen Foto- oder Video-Botschaft unterstützen! 

 

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Foto: vida