Reden wir über “Long Covid”

Oft glaubt man, nach einer gut überstandenen Covid-Infektion, sei man über den Berg und könne schon bald wieder in den Alltag zurückkehren. Selbst Monate nach einer Corona-Infektion leiden viele Menschen an Long Covid. Viele Genesene leiden an Spätfolgen die als Long Covid bezeichnet werden, wenn sie länger als 28 Tage anhalten. Worauf sollten Sie insbesondere achten und wie können Sie sich behandeln lassen.

Long-Covid-Kranke sind mit ganz unterschiedlichen gravierenden Symptomen konfrontiert. Laut der im vergangenen Dezember veröffentlichten „Gutenberg Covid-19-Studie“ der Mainzer Universitätsmedizin haben rund 40 Prozent der Corona-Infizierten mehr als ein halbes Jahr später noch Symptome. Das Erstaunliche der Studie: Betroffen sind nicht nur Personen, die einen schweren Covid-Verlauf hatten. Laut der Mainzer Universitätsmedizin leiden insbesondere Menschen, die einen milden oder asymptomatischen Krankheitsverlauf hatten an den Long Covid Symptomen.

 

Long-Covid kann jeden treffen

Mediziner warnen daher vor einem zu schnellen zu lapidaren Umgang mit Corona. Langzeitstudien zeigen: Wer Covid-19 überstanden hat, kann dennoch an Spätfolgen leiden. Lunge, Muskeln, Gehirn, Herz oder Nieren können dauerhaft bzw. langanhaltend geschädigt sein. Betroffene leiden an chronischer Müdigkeit oder gar Haarausfall. Mediziner nennen das “Long Covid” oder auch “Post Covid”. 

Die häufigsten Long Covid Symptome:

  • chronische Müdigkeit (Fatigue-Syndrom)
  • Konzentrationsprobleme, Erinnerungslücken (kognitive Störungen)
  • Kopfschmerzen
  • Herzprobleme, Herzrasen, Brustschmerzen
  • Luftnot, Kurzatmigkeit
  • Angststörungen
  • Depression

 

Long Covid bei Kindern

Auch Kinder können mit einem schwerem Covid-19-Verlauf an anhaltenden Symptomen leiden. Einem Artikel der Fachzeitschrift “Nature” zufolge, sollen rund zehn Prozent aller an Covid-19 erkrankten Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahre noch fünf Wochen nach der Diagnose an mindestens einem Symptom der Erkrankung gelitten haben. Mediziner berichten von Patienten, die nicht zur Schule gehen können, weil sie dem Schulstoff nicht mehr folgen können. Andere haben Schmerzsymptome wie Bauch-, Kopf- oder Gliederschmerzen. Typisch seien zudem Riechstörungen. In seltenen Fällen können auch Herzmuskel-Entzündungen auftreten.

Andere Studien legen hingegen nahe, dass die Ursachen für die auftretenden Symptome bei Kindern (und Erwachsenen) im psychischen Bereich liegen könnten. Hier geht es vor allem um Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie, wie geschlossene Schulen und Kontaktbeschränkungen. Darüber hinaus haben Kliniken bereits Long-COVID-Ambulanzen eingerichtet, die sich um Patientinnen und Patienten mit Langzeitfolgen kümmern.

Stufen von Covid

Viele verwechseln die Begriffe „Long-Covid“ und „Post-Covid“. Laut Definition des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) gilt:

  • Akute Covid Erkrankung: Symptome und akute Erkrankung bis zu vier Wochen nach der Infektion.
  • Weiterbestehende Covid-Erkrankung: Symptome vier bis zwölf Wochen nach der Infektion.
  • Post-Covid: Symptome ab zwölf Wochen nach der Infektion.
  • Long-Covid: Symptome ab vier Wochen nach der Infektion. Also der Zeitraum nach der akuten Covid-Erkrankung, dieser schließt die weiterbestehende Covid-Erkrankung und Post-Covid ein.

 

Wichtig ist auf seinen Körper zu hören

Dabei gilt es insbesondere auf gesundheitliche Veränderungen zu achten, die man als ungewöhnlich empfindet. Manche Betroffene seien aus ihrem Berufsleben herausgerissen. Einige könnten sich Monate nach der eigentlichen Erkrankung nicht mehr richtig konzentrieren und zum Beispiel Texte nicht mehr verstehen. Tatsächlich ist die Bandbreite der Spätfolgen nach einer Covid-Erkrankung extrem groß. So hat eine britische Studie sogar 203 Symptome identifiziert, 66 davon hielten sogar bis zu sieben Monate an.

 

Long Covid Behandlung in Reha-Kliniken

Wer nach einer Covid-Infektion ungewöhnliche gesundheitliche Beschwerden hat, die länger als vier Wochen anhalten, sollte den Hausarzt konsultieren. Es könnte sich um Long Covid handeln. Abhängig von der Stärke der Symptome kommt eventuell eine Behandlung in Reha-Kliniken infrage. Das können spezielle Einrichtungen für Kardiologie, Neurologie oder Psychosomatik sein. Vielfach betreten wir hier Neuland, weil fundierte Erfahrungswerte bislang fehlen.

Erste Long-COVID-Selbsthilfegruppe in Österreich

Die Mitglieder sind zwischen 20 und 40 Jahre alt, Betroffene können der Gruppe auf Facebook beitreten. Das Interesse ist groß. Es geht vor allem darum, über das Erlebte zu sprechen, sich gegenseitig bei der Genesung zu unterstützen und fachliche Informationen zu sammeln. Auch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) plant Anlaufstellen für diese „Long-Covid“-Patienten und -Patientinnen.

 

Quellen

 

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