Samariterbund: Arbeitskräftemangel so dramatisch wie nie zuvor

Der Arbeitskräftemangel gehört zu den größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft und ist ein ernstzunehmendes wirtschaftliches und soziales Problem aber auch eine Frage der Bildungspolitik. In vielen Bereichen wird es immer schwieriger, offene Stellen mit dem richtigen Personal zu besetzen. Betroffenheit quer durch alle Branchen – von der Produktion bis zur Dienstleistung. Auch der Samariterbund und viele Gesundheits- und Sozialorganisationen sind davon stark betroffen. Wir sprechen nicht mehr “nur” von einem Fachkräftemangel, sondern von einem Arbeitskräftemangel generell. Weil Österreich massiv altert, sinkt die Zahl der Erwerbsfähigen schon bis 2035 um 260.000 Personen. Parallel sinkt die Arbeitszeit pro Beschäftigtem. Die Arbeitslosenquote in Österreich ist auch nicht zu verachten.

Ein Großteil der „Babyboomer-Generation“ verabschiedet sich innerhalb der nächsten fünf Jahre aus dem Erwerbsleben und wird in zehn bis 20 Jahren pflegebedürftig sein. Die geburtenschwachen Generationen nach ihnen können rein zahlenmäßig diese Lücke nicht füllen. Experten warnen seit Jahren vor einer Gefahr für die Sozialsysteme und die Wirtschaft. Viele Betriebe können Aufträge nicht mehr übernehmen. Personal fehlt in allen Bereichen. Für betriebliche Abläufe bedeutet das zusätzliche Belastungen. Der Personalnotstand in der elementaren Kinderbildung hat einen Höhepunkt erreicht: Kindergartengruppen beziehungsweise Krippen müssen schließen und ihre Dazu kommt noch dass die Teuerungswelle das Gemeinwohl gefährdet. 

Der Arbeitskräftemangel ist so dramatisch wie nie zuvor

In den letzten Jahren hat die Arbeitswelt begonnen sich grundlegend zu verändern – und das wird in den nächsten Jahren so weitergehen. Wenige Branchen erleben eine dermaßen hohe Personalfluktuation, wie die Gastronomie und der Tourismus. Lockdowns und die Arbeitsmarktkrise haben das Problem aber mit scheinbar neuer Brisanz aufs Tableau gebracht. Die WKÖ setzt zahlreiche Maßnahmen, um das Image der Lehre zu steigern.  Besonders im Fokus stehen dabei die Rekrutierung älterer Arbeitskräfte (50+), Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Arbeitskräfte aus dem Ausland, Höherqualifizierungen im Rahmen der Weiterbildung und Kooperationen mit Bildungseinrichtungen. Aber auch Unternehmen lassen sich einiges einfallen, um gute Arbeitskräfte zu rekrutieren. 

Besonders dramatisch – Die Situation im Gesundheits- und Pflegebereich

“Rund 127.000 Menschen sind in der Pflege beschäftigt. Ein Drittel von ihnen sind über 50 Jahre alt und werden innerhalb der nächsten acht Jahre in Pension gehen. Bis 2030 werden deswegen und aufgrund der steigenden Zahlen von Pflegebedürftigen 76.000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte gebraucht. Die derzeitige Situation in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Pflege und Betreuung ist mehr als prekär und mittlerweile in ganz Österreich zu einer riesigen Herausforderung geworden. Die körperlichen und psychischen Belastungen in diesen Bereichen haben mittlerweile die rote Linie weit überschritten und es ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Im Jahr 2050 werden 750.000 Menschen Pflegeleistungen benötigen. Auch heißt es mach einer Wiener spitalsumfrage “Alarmstufe Rot – Ärzt*innen sind am Limit”, sagt Karl Svoboda, geschäftsführender Obmann vom Samariterbund Favoriten.

Schlechte Bezahlung

Schwierig Mitarbeiter zu finden liegt auch daran, dass man in manchen Berufen wenig Geld verdient. Für viele sogar zu wenig, um davon leben zu können. Dazu kommt, dass man in diesen Berufen oft bis spät in die Nacht arbeitet oder viel zu viele Aufgaben in zu kurzer Zeit schaffen muss. Deshalb entscheiden sich viele jüngere Menschen erst gar nicht für diese Berufe. Dazu gehören zum Beispiele Pflegeberufe wie Krankenpflege oder Altenpflege. Politische Entscheidungsträger müssen nicht nur die Strukturen von Altersvorsorge, Gesundheits- und Pflegesystem überdenken, sondern auch nach neuen Konzepten in der Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Familienpolitik suchen.

Babyboomer gehen in den wohlverdienten Ruhestand – mit dramatischen Folgen

Die Herausforderung ist schnell erklärt: zwar starten jedes Jahr junge Menschen ins Berufsleben und fangen an zu arbeiten – gleichzeitig hören aber deutlich mehr ältere Menschen mit dem Arbeiten auf und gehen in Pension. Die Menschen, die im richtigen Alter sind, um zu arbeiten, werden also Jahr für Jahr immer weniger. Die Babyboomer gehen in Pension und bringen ein Ungleichgewicht in das System, weniger Beitragszahler kommen dann auf immer mehr Rentner. Österreichs Gesellschaft altert rasant. Bis 2036 fallen knapp 30 Prozent der aktuellen Erwerbstätigen weg. Grund ist, dass die so genannte Babyboomer-Generation in Rente geht.

Die Demografie steht Kopf

Die Demografie steht Kopf – und rüttelt Arbeitsmarkt, Gesundheits- und Pensionssystem durcheinander. Weltweit ist ein Übergang dieser Generation in den Ruhestand bereits seit Jahren im Gange, was sowohl die Pensionssysteme als auch den Arbeitsmarkt in zunehmendem Ausmaß vor Herausforderungen stellt. Bis 2034 gehen mehr Österreicher in Pension als in den vergangenen sechzig Jahren. Laut Zahlen der Statistik Austria ist der Anteil der Über-65-Jährigen in Österreich seit dem Jahr 1955 von etwa 800.000 auf derzeit rund 1,57 Millionen gestiegen. Das wirft natürlich auch die Frage auf, wer wird diese Menschen pflegen, betreuen und versorgen?

Eigentlich sollen die Menschen später in Pension gehen

So hat es die Politik beschlossen und den Pensionseintritt nach hinten geschoben. Doch eine neue Studie zeigt: Die große Mehrheit der älteren Arbeitnehmer will nicht später, sondern früher in den Ruhestand. Von den geburtenstarken Jahrgängen möchte nicht einmal jeder Zehnte bis zur regulären Altersgrenze arbeiten. Unter bestimmten Voraussetzungen können Versicherte aber auch früher – mit und ohne Abschläge – in Altersrente gehen, sofern die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Das ist neben der Vollendung eines bestimmten Lebensalters auch die vorgesehene Mindestversicherungszeit (Wartezeit), bei vorgezogenen Altersrenten auch die Einhaltung von bestimmten Hinzuverdienstgrenzen

Jugend von heute will eine Work Life Balance

Die Vier-Tage-Woche und andere flexible Arbeitszeitmodelle sind ein Trendthema. Auch in Österreich beschäftigen sich einige Unternehmen damit denn wer sich vor Trends und Neuerungen verschließt, wird langfristig keinen Erfolg haben. Betriebe müssen besser bezahlen, für eine gute Work/Life Balance sorgen. Kurzgesagt: Betriebe müssen sich mehr anstrengen, attraktiv für ihr aktuelles Personal und das Zukünftige zu sein. Betriebe müssen nicht nur neues Personal gewinnen, sondern auch aktuelles halten. Zum Einen um Arbeitsbereitschaft und Motivation der Mitarbeiter zu erhalten und zu maximieren und zum Anderen, um am Arbeitsmarkt als attraktiver Arbeitgeber auftreten zu können, dem das Wohl seiner Mitarbeiter am Herzen liegt. 

Zukunftskompetenzen aus Sicht der Unternehmen

Fachwissen auch in Zukunft an erster Stelle, digitales Know-How als Ergänzung zu praxisorientierten, handwerklichen Fähigkeiten. Problemlösungskompetenz, personale (Motivation, Lernbereitschaft, Selbstständigkeit) und soziale Kompetenzen werden zunehmend wichtiger, ebenso wie Sprachkenntnisse. D.h. Qualifizierung, Ausbildung und Weiterbildung von Menschen, die bereits in Österreich leben. Ausdauer und Belastbarkeit gehören natürlich auch dazu. Arbeitgeber müssen sich aber auch eine Strategie überlegen, wie sie die älterwerdenden Beschäftigungssuchenden langfristig behalten können. Frauen müssten mehr Vollzeit als Teilzeit arbeiten und generell mehr ins Arbeitsleben integriert werden. „Es braucht stabilere Beschäftigung, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Unterstützung von Mobilität, Wohnmöglichkeiten, Infrastruktur in Tourismusregionen und altersgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen.

Alles eine Frage der Finanzierung

Grundsätzlich werden in Österreich pflegebedürftige Menschen durch Geldleistungen, das Pflegegeld, und Sachleistungen, wie Plätze in Pflege- und Altenheimen und sozialen Diensten, unterstützt. Eine wichtige Säule des Pflegesystems ist das 1993 eingeführte Pflegegeld. Damals bezogen diese Leistung rund 299.000 Personen, Ende 2018 waren es bereits 461.000 Menschen und die Zahlen steigen! Und wer verdient das Geld für die Pensionisten? Die hohe Inflation erfordert gleichzeitig eine Erhöhung der Pensionen! Um dem bestehenden Arbeits- und Fachkräftemangel entgegenzuwirken wäre eine Idee z.B. auch, dass es für Pensionisten keine Einkommensgrenzen mehr geben sollte und sie ohne Abzüge hinzuverdienen dürfen. 

Migration und das Thema Arbeits- und Fachkräfte

Die Bundesregierung holt seit Anfang 2022 noch mehr Fachkräfte aus dem Ausland nach Österreich. Dafür haben sie mit 1.1.2022 die bundesweite Mangelberufe-Liste von 45 auf 66 Berufe ausgeweitet. Österreich konkurriert mit allen möglichen Ländern um die besten Köpfe. Österreich steht ganz oben auf der Liste derjenigen, die zu Tausenden in die EU streben, um hier ihr Glück zu suchen. Attraktiv ist Österreich allerdings nicht, weil es Fachkräfte sucht, sondern weil sich hier gut leben lässt für alle, die nicht viel haben. Anläufe zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sind deshalb so sinnvoll wie widersprüchlich. Ein Einwanderungsland ist erst dann ein solches, wenn es diesen Widerspruch auflöst und klar definiert, welche Einwanderung es denn haben möchte. Erst das schafft Möglichkeiten für eine selektive Öffnung, für Ausbildung und Qualifizierung. Es hat vor allem Folgen für die Bürokratie, die manchen Fortschritt blockiert. Ausländerbehörden, Schulen und Jobcenter sind chronisch überlastet – weil sie in Arbeit ersticken, die mit den Bedürfnissen Österreichs nur wenig zu tun hat.

Thema Schwarzarbeit macht Prognose fast 30 Milliarden Euro aus

Dinge im Pfusch erledigen zu lassen ist für zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung ein Kavaliersdelikt. Damit ist die Zustimmung dazu seit 2021 um drei Prozentpunkte gestiegen. Und rund ein Fünftel der Österreicherinnen und Österreicher hat in den vergangenen zwölf Monaten auf die Dienste eines Pfuschers zurückgegriffen, geht aus der aktuellen Untersuchung von Friedrich Schneider, Professor an der Johannes-Kepler-Universität Linz, hervor. Zwei Drittel der Bevölkerung haben demnach den Eindruck, dass man sich gerade in der Krise viele Dinge ohne Schwarzarbeit nicht mehr leisten könne. Laut der Umfrage ist in einem Zehntel der Haushalte mindestens eine Person im Pfusch aktiv. Wobei der durchschnittliche Stundenlohn auf 20 Euro geschätzt werde. Mit der Krise sei auch das Vertrauen in staatliche Institutionen gesunken. Der größte Verlierer bei der Schwarzarbeit ist laut Schneider der Staat, dem die Sozialversicherungsbeiträge entgehen würden. Schneider bezifferte dies mit zwei bis 3,5 Milliarden Euro. Aber auch die Krankenversicherung käme demnach zum Handkuss, da sie die Behandlungskosten der Pfuscher tragen müssten, da 66 Prozent der Pfuscher auch offiziell beschäftigt sind.

Quellen und Links:

 

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