Reden wir über Kinderarmut in Österreich

Am 1. Juni ist internationaler Kindertag. Obwohl Österreich eines der reichsten Länder der Welt ist, sind fast 14% der österreichischen Bevölkerung sind armutsgefährdet. Von Armut betroffen ist nicht nur, wer kein Dach über dem Kopf oder nichts zu essen hat. Die Kinderarmutsforschung belegt, dass materieller Mangel sich auf die gesundheitliche, soziale und kulturelle Entwicklung negativ auswirkt. Armutsgefährdete Kinder sind öfters krank, haben weniger Freunde, erfahren mehr Ausgrenzung und haben schlechtere Bildungschancen.

Armut ist mehr, als wenig Geld zu haben. Die aktuellen Zahlen sind alarmierend. Jedes fünfte Kind lebt in Armut und mittlerweile wissen wir: Armut ist nicht nur weiblich, sondern auch jung. Dort, wo etwa alleinerziehende Mütter schon bisher kaum finanziell über die Runden kamen, hat sich die Situation in den letzten Monaten drastisch verschärft.

Petitionsmarathon gegen Kinderarmut!

Wachsende Armut durch Pandemie und Inflation

Die steigende Inflation bedeutet für viele Menschen eine große Belastung, die größten Preistreiber sind die Kosten für Wohnen und Energie. Sie haben am Ende des Monats nicht genug Essen im Kühlschrank oder sie können ihre Miete nicht bezahlen. Das sind nur einige Lebenssituationen von insgesamt über 1,2 Millionen armutsgefährdeten Menschen in Österreich. Besonders gefährdet sind Kinder, Frauen im Alter, Alleinerzieherinnen, Langzeitarbeitslose und Menschen mit chronischer Erkrankung. Aber auch Flüchtlingskinder brauchen schnell einen geregelten sicheren Alltag mit einer vernünftigen Grundversorgung.

Kinderarmut geht uns alle an

In Österreich sind 350.000 Kinder und Jugendliche (22%) armuts- und ausgrenzungsgefährdet: das ist jedes 5. Kind. Besonders häufig betroffen sind Kinder und Jugendliche in Haushalten mit mehr als drei Kindern, in Ein-Eltern-Haushalten oder in Haushalten ohne österreichische StaatsbürgerInnenschaft. Nachhilfeunterricht, Förderkurse und Unterstützung bei Legasthenie können sich fast die Hälfte aller armutsgefährdeten Haushalte nicht leisten. All das wird von Kindern und Jugendlichen erlebt und gefühlt. Und es hat Auswirkungen auf ihre Zukunft.

Kinderarmut und Gesundheit

Egal, ob es um schlechte Ernährung, Ängste, Krankheiten oder psychische Probleme geht – arme Kinder sind stärker betroffen als Kinder aus finanziell stabilen Familien. Kinder aus armen Familien benötigen häufiger ärztliche Hilfe und diese Kinder fühlen weniger gesund und leistungsfähig. Diese Kinder leiden häufiger an mangelnder Fitness, können sich schlechter konzentrieren und sind vermehrt müde, nervös, aggressiv oder sogar depressiv. Diese Beschwerden ziehen sich bis ins Erwachsenenalter fort und erschweren auch da den Alltag. 

Kinderarmut und Bildung

Ein besonderes Projekt sind außerdem die LernLEOS, die in Wien eingerichtet wurden. Hier erhalten Kinder, deren Eltern sie aus finanziellen oder sprachlichen Gründen nicht beim Lernen unterstützen können, kostenlose Nachhilfe nach der Schule, lernen gesunde Ernährung und erhalten vor allem Aufmerksamkeit und Zuwendung. Im geschützten Rahmen der mittlerweile drei LernLEO Standorte ist Integration das Schlüsselwort.

Gemeinsam gegen Kinderarmut

Kein Kind in Österreich darf in Armut aufwachsen. Jedem Kind und Jugendlichen die besten Entwicklungsmöglichkeiten bieten, ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, erklärt die Armutskonferenz zusammengeschlossenen sozialen Organisationen und Netzwerk-Mitglieder.  Ein Lösungsansatz wäre die Einführung einer Kindergrundsicherung, die sich an den monatlichen Kinderkosten orientiert, bei gleichzeitigem Ausbau sozialer und kostenfreier Infrastruktur (u.a. Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulstandorte).

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