Reden wir über Kinderarmut in Österreich

Beinahe jedes vierte Kind in Österreich ist von Armut und Ausgrenzung betroffen – das sind 368.000 Kinder und Jugendliche – und leider werden es täglich mehr! Obwohl Österreich eines der reichsten Länder der Welt ist, sind fast 14% der österreichischen Bevölkerung sind armutsgefährdet. Von Armut betroffen ist nicht nur, wer kein Dach über dem Kopf oder nichts zu essen hat. Die Kinderarmutsforschung belegt, dass materieller Mangel sich auf die gesundheitliche, soziale und kulturelle Entwicklung negativ auswirkt. Armutsgefährdete Kinder sind öfters krank, haben weniger Freunde, erfahren mehr Ausgrenzung und haben schlechtere Bildungschancen. Die Teuerung bedroht die Existenz dieser Familien noch stärker“

Armut ist mehr, als wenig Geld zu haben. Es gibt neben der Materielle Dimension auch ein kulturelle, eine soziale sowie eine gesundheitliche Dimension. Die aktuellen Zahlen sind alarmierend. Jedes fünfte Kind lebt in Armut und mittlerweile wissen wir: Armut ist nicht nur weiblich, sondern auch jung. Dort, wo etwa alleinerziehende Mütter schon bisher kaum finanziell über die Runden kamen, hat sich die Situation in den letzten Monaten drastisch verschärft. Die hohe Inflation in Österreich könnte das Lohnwachstum der vergangenen Jahre zunichtemachen. Wegen explodierender Kosten für Energie und Lebensmittel wird die Armut in Österreich deutlich zunehmen.

Kinderarmut und Bildung

Nachhilfeunterricht, Förderkurse und Unterstützung bei Legasthenie können sich fast die Hälfte aller armutsgefährdeten Haushalte nicht leisten. All das wird von Kindern und Jugendlichen erlebt und gefühlt. Und es hat Auswirkungen auf ihre Zukunft. Ein besonderes Projekt sind die Samariterbund-LernLEOS in Wien. Hier erhalten Kinder, deren Eltern sie aus finanziellen oder sprachlichen Gründen nicht beim Lernen unterstützen können, kostenlose Nachhilfe nach der Schule, lernen gesunde Ernährung und erhalten vor allem Aufmerksamkeit und Zuwendung. Im geschützten Rahmen der mittlerweile drei LernLEO Standorte ist Integration das Schlüsselwort.

Kinderarmut und Gesundheit

Egal, ob es um schlechte Ernährung, Ängste, Krankheiten oder psychische Probleme geht – arme Kinder sind stärker betroffen als Kinder aus finanziell stabilen Familien. Kinder aus armen Familien benötigen häufiger ärztliche Hilfe und diese Kinder fühlen weniger gesund und leistungsfähig. Diese Kinder leiden häufiger an mangelnder Fitness, können sich schlechter konzentrieren und sind vermehrt müde, nervös, aggressiv oder sogar depressiv. Diese Beschwerden ziehen sich bis ins Erwachsenenalter fort und erschweren auch da den Alltag. 

Kinderarmut und Suchtverhalten

Es gibt Zusammenhänge von Alkohol-, Nicotin-, Cannabis- und Glücksspielsucht mit Armut. Der Tabakkonsum z. B. ist in schwächeren sozialen Schichten höher, und Kinder und Jugendliche aus diesem Umfeld greifen früher und regelmäßiger zur Zigarette mit all den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken und Folgen. Der regelmäßige Konsum von Cannabis ist vor allem bei arbeitslosen Jugendlichen zu beobachten. Ein niedriger sozialer Status, mangelndes Selbstwertgefühl, psychische Probleme sowie eine schwierige finanzielle Situation gelten als Risikofaktoren. Interessanterweise ist auch bei den Glücksspielsüchtigen der Anteil sozial Schwacher deutlich erhöht. Der Spieler spielt, um dem Alltag zu entfliehen; die Hoffnung, den großen Coup zu landen, ist nicht das Hauptmotiv. Personen ohne Hoffnung und Perspektive, wieder ein selbstständiges Leben ohne Unterstützung führen zu können, sind für ihre Betreuer eine große Herausforderung.

Hunger, frieren, nicht leistbare benötigte Therapien – Schluss damit! 

Mit der Einführung einer Kindergrundsicherung ist das möglich. Die steigende Inflation bedeutet für viele Menschen eine große Belastung, die größten Preistreiber sind die Kosten für Wohnen und Energie. Sie haben am Ende des Monats nicht genug Essen im Kühlschrank oder sie können ihre Miete nicht bezahlen. Das sind nur einige Lebenssituationen von insgesamt über 1,2 Millionen armutsgefährdeten Menschen in Österreich. Besonders gefährdet sind Kinder, Frauen im Alter, Alleinerzieherinnen, Langzeitarbeitslose und Menschen mit chronischer Erkrankung. Aber auch Flüchtlingskinder brauchen schnell einen geregelten sicheren Alltag mit einer vernünftigen Grundversorgung.

Gemeinsam gegen Kinderarmut

Kein Kind in Österreich darf in Armut aufwachsen. Jedem Kind und Jugendlichen die besten Entwicklungsmöglichkeiten bieten, ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, erklärt die Armutskonferenz zusammengeschlossenen sozialen Organisationen und Netzwerk-Mitglieder.  Ein Lösungsansatz wäre die Einführung einer Kindergrundsicherung, die sich an den monatlichen Kinderkosten orientiert, bei gleichzeitigem Ausbau sozialer und kostenfreier Infrastruktur (u.a. Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulstandorte).

Bildung ist ein Weg aus der Armut

Billige Schulsachen, Bleistifte, die bei jedem Spitzen abbrechen, Radiergummis, die alles verschmieren, aber auch dünne Jacken bei Minusgraden und nasse Sommerschuhe im Winter. Es sind Geschichten über kalte Räume und das fehlende Geld für Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke. Aber es sind auch Geschichten von Eltern, die alles für ihre Kinder tun, damit diese es einmal besser haben und nicht in Armut leben müssen. Und die Eltern wissen, dass Bildung ein Weg aus der Armut ist. Deshalb kommen ihre Kinder zu uns. Und es sind auch Geschichten von Kindern, die gerne ins LEO kommen und die davon träumen, einmal zu studieren oder Fußballer*in zu werden. „Bildung ist ein Weg aus der Armut“ und ein Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben. Jede*r, der*die unsere Arbeit in den LEOs unterstützt, hilft dabei diesen zu legen. Jede Spende ist ein Beitrag für Chancengleichheit und eine bessere Zukunft. Armut ist kein Spiel, machen wir die Regeln neu.”

So können sie spenden:

Wir benötigen derzeit folgende Sachspenden:
 
Auf unserer Website findest du weitere Informationen zu unserer Kampagne „Schau ma, dass sich’s ausgeht“: https://www.samariterbund.net/landesverband-wien/schau-ma-dass-sichs-ausgeht/

 

Links und Quellen:

 

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