Samariterbund: „Nichts ist O.K. bei K.O.-Tropfen

Es passiert auf Partys, in Bars, in Clubs, auf Maturareisen, bei Konzerten oder Weihnachtsfeiern – die Täter, meist Männer, mischen ihren Opfern, meist Frauen, heimlich Betäubungsmittel ins Getränk – mit dem Ziel, sie manipulierbar und wehrlos zu machen – und um Straftaten wie Raub und Vergewaltigung zu begehen. Das aufregende erste Treffen mit dem Online-Date bei ihm zu Hause und nach dem Glas Wein setzt Kopfweh und starke Müdigkeit ein. Von einem Moment auf den anderen lässt die Aufmerksamkeit nach, alles verschwimmt vor den Augen. Der Samariterbund hat für Sie die wichtigsten Eckpunkte zusammengefasst:

Bei K.O.-Mittel-Fällen sind die Zahlen gestiegen: allein heuer bis 15. November gab es dazu beim 24-Stunden Frauennotruf rund 60 Beratungen, 2021 waren es rund 40 und 2020 waren es 20 Fälle – wobei die Dunkelziffer bei dieser Straftat besonders hoch ist. Im Schnitt liegt die Zahl derzeit bei rund 4 bis 5 Beratungen pro Monat zum Thema. Wie handle ich richtig, wenn ich mitbekomme, dass jemandem K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt werden oder wenn ich selbst vermute, dass mir jemand K.O.-Mittel gegeben hat?

So geht Zivilcourage: „Hinschauen. Handeln. Helfen.”

Unter dem Motto „Nichts ist O.K. bei K.O.-Tropfen!“ startet die Stadt Wien eine groß angelegte Bewusstseinskampagne und ruft zu Aufmerksamkeit und Zivilcourage auf. Die Kampagne läuft anlässlich der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“. Mit der neuen Kampagne wollen wir wachrütteln – und dazu aufrufen, hinzuschauen, zu handeln und zu helfen! Das Gefährliche an K.O.-Tropfen ist, dass man sie in Mischgetränken nicht riecht und schmeckt. Umso wichtiger ist es, auf das eigene Getränk – auf sich selbst und auf andere – aufzupassen. Die Kampagne startet am 23.11. Sujets und Videos werden als TV-Spots und auf Social-Media-Kanälen gezeigt, ab 1.12. machen Citylights im öffentlichen Raum auf das Thema K.O.-Tropfen aufmerksam. Toilettenplakate sind ebenfalls Teil der Kampagne. Gezeigt werden Situationen, die aufrütteln. 

Verdacht auf K.O.-Tropfen: Was tun?

Grundsätzlich sollte man Getränke nie unbeaufsichtigt lassen, Freund*innen sollten immer gegenseitig aufpassen. Ganz wichtig ist es, dem eigenen Instinkt zu vertrauen – die Party etwa in Begleitung von Freund*innen zu verlassen, wenn man sich nicht wohl fühlt. Bei plötzlichem Schwindel, Übelkeit oder einer unbekannten, enthemmenden Wirkung sollte sich die betroffene Person an eine Vertrauensperson oder an das Barpersonal wenden. Im Zweifelsfall nicht zögern, die Polizei unter 133 zu rufen! Da das Nachweisfenster je nach eingesetzter Substanz klein ist, sollten Betroffene so rasch wie möglich in ein Krankenhaus, wie etwas das AKH, fahren. Wichtig ist eine rasche Probenahme von Blut und Harn und die damit in Zusammenhang stehende Dokumentation. Auch wenn sich jemand noch nicht zu einer Anzeige entschieden hat, ist es vorerst wichtig für ein allfälliges Strafverfahren, Proben, Befunde und Fotos von Verletzungen zu sichern.

Wie erkennt man K.O.-Mittel?

Es gibt mehr als 100 flüssige oder feste Substanzen, die als K.O.-Mittel eingesetzt werden. Sie sind farb- und geruchlos und der leicht bittere oder seifige Geschmack wird von Alkohol oder anderen Getränken meist überdeckt. Erste Symptome sind eine anfängliche Euphorie und plötzlich einsetzender Schwindel und Übelkeit. Danach folgen häufig Wahrnehmungsschwierigkeiten, eine Art Dämmerzustand, Willenlosigkeit und eine eingeschränkte Beweglichkeit bis hin zur Regungslosigkeit.

Oft leider erst im Nachhinein bewusst …

Dass möglicherweise K.O.-Mittel verabreicht wurden, wird Opfern meist erst im Nachhinein bewusst. Sie erwachen zu Hause oder an einem fremden Ort, wissen nicht, wie sie dorthin gekommen sind und entdecken Hinweise auf sexuelle Übergriffe wie Blutergüsse, fehlende Kleidung oder haben Schmerzen im Unterleib. Betroffene können noch längere Zeit unter körperlichen Beschwerden wie Erbrechen, Kopfschmerzen oder Schwindel leiden. Für Betroffene sind Gedächtnislücken und Unsicherheit sehr belastend.

Wichtig! Das Gespräch suchen!

Entlastende Gespräche mit einer Beraterin des 24-Stunden Frauennotrufs können Betroffene in der Situation unterstützen. Generell gilt die Empfehlung, rasch zu handeln, wenn der Verdacht auf die Verabreichung von K.O.-Tropfen besteht. Unter der Frauennotruf-Nummer 01/71719 erhalten Frauen und Mädchen, aber auch Freund*innen und Familie, unmittelbar Beratung für die Planung weiterer Schritte.

Videos

Begleitend zu den Sujets gibt es 3 Videos auf YouTube, die den Einsatz von K.O.-Mitteln in konkreten Situationen zeigen:

 

Weiterführende Informationen:

Beratung zum Thema K.O.-Tropfen gibt es unter 01/71719 beim 24-Stunden Frauennotruf.

Der 24-Stunden Frauennotruf ist Anlaufstelle für alle Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die von sexualisierter, körperlicher und/oder psychischer Gewalt betroffen sind oder Gewalt in der Vergangenheit erfahren haben – egal wie lange die Gewalterfahrung zurückliegt.

Das Frauennotruf-Team ist täglich von 0 bis 24 Uhr erreichbar:
Telefon: 01/71719, frauennotruf@wien.atwww.frauennotruf.wien.at
Die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs sind immer für Betroffene da – genauso wie für Zeuginnen und Zeugen, die helfen wollen.

 

Sagen auch Sie STOPP zu Gewalt gegen Frauen

Geschlechtsspezifische Gewalt ist kein „Frauenproblem“, sondern ein wichtiges Thema für Menschen aller Geschlechter. Auch Männer müssen sich als handlungsfähige Verbündete entschieden gegen Gewalt an Frauen und Mädchen einsetzen.

 

Links:

 

Helfen auch Sie!

 

Ihre SamariterInnen aus Wien Favoriten ❤️

Bild: Wiener Bewusstseinskampagne zu “K.O.-Tropfen” © APA – Austria Presse Agentur – Danke