Pflege für Menschen zu Hause

Der Bedarf ist groß – besser abgestimmte Versorgung ist ein Thema!

Samariterbund – Sozialinfo!

Die Österreichische Bundesregierung hat 2018 einen „Masterplan“ zur Pflege präsentiert. Auffällig ist darin der starke Fokus, der auf pflegende Familienangehörige gelegt wird.

Diese übernehmen nach Ansicht der Regierung im Rahmen eines modernen Sozialstaats den „Hauptanteil der Pflege“. Zwecks Fortschreibung dieses Modells soll eine „Imagekampagne zur Wertschätzung der pflegenden Angehörigen“ durchgeführt werden, wie es im Masterplan der Sozialministerin heißt. Auch pflegende Kinder und Jugendliche – sogenannte „Young Carers“ – spielen im familienzentrierten Zugang der Regierung eine Rolle. Die Young Carers, deren Zahl auf rund 43.000 geschätzt wird, sollen durch Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung besser in ihren Betreuungstätigkeiten unterstützt werden.

Ein kurzer Rückblick

Bis Juli 2018 gab es noch keine gesetzliche Registrierung der professionellen Pflegekräfte in Österreich. Das macht die Übersicht hinsichtlich Qualifikation, Bedarf und Personalsteuerung schwierig. Nach zähem politischen Kampf ist nun die Registrierungsbehörde bei der Arbeiterkammer und bei der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) mit der verpflichtenden Erfassung aller ausgebildeten Pflegekräfte beschäftigt. Der Berufsverband der Gesundheits- und Krankenpflege war maßgeblich an der Entwicklung des Gesetzes beteiligt.

Insgesamt dürfte die Zahl aller beruflich tätigen Pflegekräfte bei mehr als 100.000 liegen – davon 65.000 in Krankenanstalten. Bisher wurde erst verstärkt ausgebildet, wenn „Not am Mann“ war – aber wenn der Mangel an Pflegekräften spürbar wird, dann ist es bereits mindestens drei Jahre zu spät, denn so lange dauert es, bis wieder zusätzliche Kräfte ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Das soll sich ändern, wenngleich die nächste Hürde in den völlig unterschiedlichen Systemen in der Organisation der Hauskrankenpflege und der Seniorenheime in den Bundesländern liegt. Da ist eine gewisse Entwicklung, Stabilität und Reife junger Menschen unbedingt nötig.

Die Pflege muss zum nationalen Anliegen gemacht werden

Der Mangel an Pflegekräften könnte dramatisch werden, wenn sich zu wenige Menschen für diesen Berufsweg entscheiden. Wir müssen bessere Bedingungen für die Pflegekräfte schaffen. Wenn bei allen Berichten die Überforderung und die schweren Seiten des Berufs im Vordergrund stehen, wird es nicht gelingen, dem Pflegeberuf das gute Image zu geben, das er verdient! Daher geht es um bessere Besetzung von Nachtdiensten in der Pflege und andere Rahmenbedingungen wie Dienstplansicherheit, Springer-Pools als Ersatz bei Personalausfall, Dienstfreistellung für Weiterbildung. Es geht nicht immer um Bezahlung! Kreative Ansätze in der Ausbildung sind gefordert!

Die Experten sehen genug Möglichkeiten, Pflegeausbildung an bestehende Schulen anzukoppeln. Die Pflege erbringt wesentliche volkswirtschaftliche Leistungen bei der Förderung von Gesundheit, Vermeidung von Krankheit und in der Bewältigung von Erkrankungen. Einkommen der Pflegekräfte sind für die Region auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.

Gute Ausbildung ist besonders wichtig

Die Komplexität des Berufes braucht eine hohe Ausbildung. Das aktuelle Verhältnis von 80 Prozent diplomiertes Pflegepersonal und 20 Prozent Pflegeassistenz wird sich aber verschieben, wenn jetzt die ersten Pflegefachassistenten nach zweijähriger Ausbildung auf den Arbeitsmarkt kommen. Bei der Information über den Pflegeberuf soll eine gemeinsame Initiative „Pflege als nationales Anliegen im öffentlichen Interesse“ vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziales mit den Bundesländern zu einer entsprechenden Aufklärungskampagne in Rundfunk, Fernsehen und Presse führen, damit es bei den Interessenten Klarheit über die Möglichkeiten, Qualifikationsniveaus und Berufschancen gibt.

Finanzierung

Wie das Pflegesystem künftig finanziert werden soll, ist noch unklar. In Regierungskreisen heißt es aber, dass eine Pflegeversicherung eher nicht kommen wird, es läuft also auf ein steuerfinanziertes Modell hinaus. Bei bestehenden Instrumenten wie dem Pflegekarenzgeld und der Pflegeteilzeit will die Koalition eine „bedarfsgerechte Weiterentwicklung“ vornehmen. Eine Erhöhung des Pflegegeldes um ein Prozent ab der vierten Pflegestufe ist schon im Regierungsprogramm für 2020 eingeplant. Zuletzt zeigte sich ÖVP-Klubobmann August Wöginger auch über eine Anhebung der niedrigeren Stufen „diskussionsbereit“. Ein konkreter Entwurf soll erst Ende 2019 vorliegen.

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