Samariterbund: Pflege ist ein harter Beruf

Mehr als fünf Prozent aller Menschen in Österreich sind pflegebedürftig -Tendenz stark steigend!

Samaritebund – Sozialinfo!

Die Menschen werden immer älter und damit steigt auch die Zahl derjenigen, die Unterstützung brauchen. Beschäftigte im Pflegebereich arbeiten allerdings schon jetzt oft an ihrer Belastungsgrenze.

Bereits jetzt sind über 436.000 Personen 80 Jahre alt oder älter

In zehn Jahren werden mehr als 600.000 ÖsterreicherInnen dieses Alter erreichen. Neben der anhaltenden Alterung der Bevölkerung macht auch der Mangel an Pflegekräften die Pflege zu einer der größten Herausforderungen der Zukunft.

Junge Menschen interessieren sich kaum für den Beruf

Unregelmäßige Arbeitszeiten mit geteilten Diensten und Wochenenddiensten, instabile Dienstpläne, wenig Freizeit und schlechte Bezahlung würden den Beruf für viele unattraktiv machen. Außerdem sei der Job in den letzten Jahren schwieriger geworden: Digitale Dienstpläne dokumentieren jede Minute der Arbeitszeit, Pausen sind kaum möglich, die Zeit ist immer knapp und die soziale Komponente, die den meisten KundInnen sehr wichtig ist, kommt oft zu kurz.

PflegerInnen sind ausgebrannt und am Rande ihrer Belastbarkeit

Es ist ein fordernder und intensiver Beruf, der berührt. Aber man kriegt von den Menschen viel zurück, die man oft jahrelang betreut. Man muss mit dem Herzen dabei sein, sonst ist man nicht richtig in dem Job. Jeden Tag ist Kreativität gefragt, um gemeinsam mit den Angehörigen, den ÄrztInnen und den KollegInnen die KundInnen bestmöglich in ihrem Alltag zu unterstützen.

80 Prozent der Beschäftigten in der mobilen Pflege sind Frauen

Pflege ist dennoch kein reiner Frauenberuf -gerade weil die physischen Anforderungen enorm sind. Außerdem freuen sich auch die KundInnen über die Abwechslung, wenn ein männlicher Pfleger vorbeikommt. Anfängliche Hemmungen gibt es selten, und wenn doch, sind sie meist schnell verflogen.

ÖGB und Gewerkschaften weisen schon jahrelang auf das Problem hin

Knapp 66.000 Personen sind bei Pflegediensten und in Pflegeheimen beschäftigt (Stand 2017). Tagtäglich leisten sie enorm anstrengende Arbeit, sehr oft unter schwierigsten Bedingungen. Ein Großteil arbeitet in Teilzeit, weil sie diesen psychischen und physischen Belastungen keine 40 Stunden standhalten können. Neben den schwierigen Arbeitsbedingungen ist auch die Entlohnung ein großes Thema.

Gefordert werden unter anderem 20 Prozent mehr Personal, eine strukturelle Verbesserung der Arbeitszeiten und der Entlohnung sowie eine intensivere Ausbildung. Das würde dazu führen, dass der Pflegeberuf gerade auch für junge Menschen wieder attraktiver wird.

Pflegende Angehörige entlasten

Außerdem braucht es dringend einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und -teilzeit, fordert Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende. Denn in Österreich wird nach wie vor gut die Hälfte aller Pflegebedürftigen von Angehörigen zu Hause versorgt. Für viele Familienangehörige ist die Situation in zweifacher Hinsicht besonders belastend: Einerseits sind sie selbst noch berufstätig und andererseits kann die Pflege von nahen Angehörigen emotional sehr aufreibend sein.

“Es ist nicht einfach, Job und Pflegebetreuung unter einen Hut zu bringen. Es ist höchste Zeit, dass Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, genauso wie jene, die im Pflegebereich arbeiten, entlastet werden”, betont ÖGB-Vizepräsidentin Schumann.

Pflegereform -aber wie?

Um den Pflegebedarf decken zu können, werden bis zum Jahr 2025 rund 25.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Aktuell beginnen zwar viele Jugendliche eine Pflegeausbildung oder machen ein Praktikum in diesem Bereich, entscheiden sich aber dann doch für einen anderen Weg.

Die österreichische Bundesregierung hat Ende 2018 angekündigt, die Pflege reformieren zu wollen, neben einigen wenigen Eckpunkten hat sie jedoch nicht viel Konkretes vorgelegt. Offen ist auch noch, ob die Pflegekosten künftig über Steuermittel oder eine Pflegeversicherung finanziert werden sollen.

Zahlen – Daten – Fakten

  • 436.366 ÖsterreicherInnen sind 80 Jahre alt oder älter
  • 2030 werden es mehr als 600.000 sein
  • 5,7 Mrd. Euro werden derzeit in Österreich für die Pflege ausgegeben
  • Künftige Finanzierung ist noch offen
  • 458.333 Personen bezogen 2018 Pflegegeld
  • Davon 291.044 Frauen
  • 66.751 Personen sind im Pflegebereich beschäftigt
  • Der Großteil davon sind Frauen
  • 950.000 pflegende Angehörige gibt es in Österreich
  • Rund ein Drittel von ihnen ist berufstätig
  • 25.000 zusätzliche Fachkräfte werden bis 2025 benötigt
  • 55 Prozent werden von Familienangehörigen gepflegt
  • 25 Prozent von Angehörigen mit Unterstüzung von mobilen Diensten
  • 14 Prozent in stationären Einrichtungen
  • 6 Prozent durch 24-Stunden-Betreuung

Ihre SamariterInnen aus Wien Favoriten

  • Quelle: Solidarität Nr. 982/2019 vom 01.03.2019
  • Bild: pixabay