Pflegekräfte für Österreich ausbilden oder anwerben

Zuwanderung nötig, um die Pensionswelle der Babyboomer abzufangen

Samariterbund – Sozialinfo!

Der Lebenspartner wird schwer krank. Die Eltern können das tägliche Leben nicht mehr alleine bewältigen. Solche Schicksalsschläge treffen tausende Menschen in Österreich.

Die demografische Entwicklung und deren Zukunftsprognose zeigt, dass immer mehr Menschen immer älter werden. Und damit wird der Pflegeberuf ein ständig wachsender Markt, den es gilt, bestens zu bedienen.

Eine Pensionswelle verschärft in den kommenden Jahren die Situation

Bereits jetzt herrscht in Österreich ein Engpass an Pflegepersonal. Expertenschätzungen sagen, dass im Jahr 2030 wird bereits mehr als eine Million Österreicher über 80 Jahre alt sein werden und in Summe fast eine weitere Million an Pensionisten dazukommen. Um die Pflegeproblematik zu lösen, müssen Zigtausende Pflegekräfte ausgebildet und angeworben werden, bei objektiv steigendem Reformbedarf.

Pflegeorganisationen schätzen, dass es bis 2050 rund 40.000 zusätzliche Fachkräfte in der Langzeitpflege braucht, um den Bedarf zu decken. Die Daten zeigen aber auch: Ohne Zuwanderung würde Österreichs Erwerbsbevölkerung schrumpfen – um etwa 1,5 Millionen bis 2050. Auch auf dem Arbeitsmarkt besteht hoher Reformbedarf, um den Babyboomer-Pensionsschock abzufedern.

Rund eine Millionen Frauen arbeiten heute in Österreich nur in Teilzeit, mehr Vollzeitarbeit wäre also ein wichtiger Beitrag, auch für die Frauen selbst. Das ist programmierte, mehrheitliche Altersarmut, erklärt Wolfgang Zimmermann, Landessozialreferent des Samariterbundes in Wien.

Pflegeberufe haben Zukunft

Bedürfnisse ins Zentrum rücken, (Lebens)Qualität bei Pflege und Betreuung sichern, Pflegefonds weiterentwickeln, Mobile Dienste forcieren und Pflege zu Hause stärken, Verbindliche Qualität für 24-Stunden-Betreuung sichern – all das steht auf den politischen Agenden der Bundesregierung, getrieben von der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt. Das alles bedarf jedoch der Menschen, die sich dafür entscheiden, in Pflegeberufen zu arbeiten. Nur bestens ausgebildet kann man jedoch den ständig wachsenden Anforderungen gerecht werden.

Österreichweit fehlen rund tausend Pfleger in Alten- und Pflegeheimen

Rund 44.000 Zuwanderer pro Jahr und damit doppelt so viele wie im Durchschnitt seit 1960 brauche Österreich allein schon, um die Erwerbsbevölkerung bis 2050 stabil zu halten. Bis 2020, also sofort, würde Österreich nicht nur 44.000, sondern 118.000 Migranten, und bis 2030 sogar 225.000 Zuwanderer pro Jahr brauchen, um die so genannte Alterslastquote stabil zu halten. Diese Quote misst das für die Finanzierung des Pensionssystems wichtige Verhältnis zwischen Erwerbsfähigen und Pensionisten.

Das zeigt klar, wie wichtig weitere Reformen, etwa die nötige Koppelung des gesetzlichen Pensionsalters an die Langlebigkeit wäre. Ein Zuwanderungsüberhang gegenüber Abwanderung von 118.000 bis 225.000 Personen jährlich wäre das Fünf- bis Zehnfache der Netto-Immigrationsrate der letzten Jahrzehnte. Das wäre sozial völlig unverträglich, ergänzt Wolfgang Zimmermann, Landessozialreferent des Samariterbundes in Wien.

Es ist schwer, gut qualifiziertes Personal zu finden

Noch können Pflegeeinrichtungen den Bedarf decken, der große Anstieg jedoch kommt rascher als man denkt. Es fehlt nicht nur an Nachwuchs, auch die Altersstruktur des bereits tätigen Personals wird zunehmend zum Problem – und das in ganz Österreich. Wir haben schon jetzt einen Mangel an ausgebildetem Pflegepersonal. Aber das wird in den kommenden zwei bis drei Jahren noch viel schlimmer.

Finanzierung

Die Möglichkeiten der Gestaltung im Pflegegeldwesen – das Bundessache ist – will das Ministerium durch eine Studie herausfinden, die “Entscheidungsgrundlagen für eine langfristige und nachhaltige Finanzierung” schaffen soll. Eine wichtige Beurteilungsgrundlage dabei soll auch das Einkommen des zu Pflegenden unter Berücksichtigung einer frei verfügbaren Persönlichkeitspauschale sein”, heißt es bei den Überlegungen des Ministeriums zur künftigen Finanzierung der Pflegevorsorge.

Das Pflegegeld soll 2020 ab Stufe 3 erhöht werden

Die Pflegegelderhöhung sei Teil des Masterplans der Regierung. Bis Herbst sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein, es sei noch offen, ob alle Stufen erhöht werden oder es erst ab Stufe 3 oder 4 mehr Geld gibt. Pflegegeld der Stufen 1 und 2 beziehen rund die Hälfte aller Pflegebedürftigen.

Gut 2,6 Milliarden Euro hat der Bund 2018 für das Pflegegeld ausgegeben. Eine einprozentige Erhöhung für alle rund 460.000 Bezieher würde folglich mindestens 26 Millionen Euro kosten. Würde ab Stufe 3 erhöht, stiegen die Kosten um 20,5 Mill., bei einer Erhöhung ab Stufe 4 um € 16 Mill.

Seit seiner Einführung vor bald 26 Jahren wurde das Pflegegeld erst fünf Mal leicht erhöht. Unter Rot-Schwarz wurde der Zugang zum Pflegegeld 2011 und 2015 erschwert: Seither wird Pflegegeld der Stufe 1 erst ab 65 Stunden Betreuungsbedarf pro Monat gewährt (vor 2011 waren es 50); Stufe 2 gibt es ab 95 Stunden (vor 2011: 75).

Ihre SamariterInnen aus Wien Favoriten

Quelle: kontrast.at
Bild: Pixabay