Ausgaben für Gesundheit helfen armen Haushalten

Wifo-Studie: Verteilungswirkungen des österreichischen Gesundheitssystems

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In einer Studie hat das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo die Verteilungswirkung des österreichischen Gesundheitssystems unter die Lupe genommen.

Demnach profitieren von den rund 28 Milliarden Euro an öffentlichen Ausgaben Ärmere signifikant mehr. Die Sachleistungen aus dem öffentlichen Gesundheitswesen belaufen sich bei den einkommensschwächsten Haushalten auf deutlich mehr als ein Drittel des gesamten Bruttoeinkommens. Bei den Topeinkommen ist es genau umgekehrt: Bei diesen macht der Anteil nur wenige Prozentpunkte aus.

Wifo-Studienautor Thomas Leoni fasst zusammen:

„Der Ausgabenanteil, der an die Haushalte im unteren Einkommensdrittel geht, ist mit 36,5 Prozent in dieser alternativen Berechnungsvariante (Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand) merklich höher als in der Basisvariante (Alter und Geschlecht) mit 33,6 Prozent. Gleichzeitig fällt der Anteil des oberen Drittels mit 28,4 Prozent statt 31,4 Prozent geringer aus.“

Zum Leistungsanspruch …

Der Wifo-Experte weist allerdings selbst darauf hin, dass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten. Die Ergebnisse der alternativen Berechnungsvariante verdeutlichen aber: Menschen mit geringerem Einkommen sind öfter krank – sie nehmen deswegen auch mehr Leistungen aus dem öffentlichen Gesundheitssystem in Anspruch.

Thema Pflegegeld

Der Umstand, dass das Mitte 1993 eingeführte Pflegegeld seither selten erhöht worden ist, findet ebenfalls seinen Niederschlag. Der Anteil der Pflegegeldleistung am Haushaltseinkommen ging zwischen 2010 und 2015 im Durchschnitt der betroffenen Haushalte zurück – nämlich von 11,5 Prozent auf 10,1 Prozent. Die Einkommensanteile lagen 2015, mit Ausnahme des untersten Viertels, in allen Vierteln unter den Werten für 2010.

Dieser Rückgang der relativen Bedeutung des Pflegegeldes als Einkommensbestandteil sei laut Leoni seit 2000 als Trend zu interpretieren. „Er kann dadurch erklärt werden, dass das Pflegegeld zwischen 2000 und 2015 nur zweimal angehoben wurde und seine Höhe nicht mit der Entwicklung der Gesamteinkommen Schritt hielt“, heißt es im Wifo-Bericht.

Bezieher von Pflegegeld sind auch Opfer des Bruchs der türkis-blauen Koalition. Im Zuge der für Herbst angekündigten Pflegereform war ab Beginn des kommenden Jahres zumindest für einen Teil der Bezieher von Pflegegeld eine Erhöhung geplant und auch im ÖVP-FPÖ-Koalitionsabkommen vom Dezember 2017 festgeschrieben.

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Quelle: Wifo
Bild: pixabay