Die medizinische Digitalisierung unserer Zukunft ...

RFID-Chips ("Radio Frequency Identification") können bei Notfällen die Rettung rufen ...

Es dauert nur wenige Minuten. Ein kurzer Stich unter die Haut, ein kleines Glasimplantat nicht größer als ein Reiskorn, und sie sind ein Cyborg. Toll oder? Ist diese Art von Digitalisierung unsere Zukunft?

Dieses Szenario entspringt keineswegs einem Sciencefiction-Film oder einer gesellschaftskritischen Zukunftsdystopie. Künstliche Intelligenz, Telemedizin oder Robotik werden das Gesundheitssystem und das Berufsbild des Arztes tiefgreifend verändern. Sprechende Smartphones, selbstfahrende Autos oder Roboter in Fabriken sind nichts Ungewöhnliches mehr.

Immer wieder wird auch angedacht, sie zur Überwachung von Menschen einzusetzen, in Reisepässen mancher Länder sind sie etwa schon integriert. Aber auch in der Medizin ist das ein Thema, denn ein Chip könnte bei einem Notfall die Rettung selbst rufen.

RFID-Chips für Menschen?

Die so genannten RFID-Chips (“Radio Frequency Identification”) gelten als Zukunftslösung bei der Kennzeichnung von Waren und Containern im Logistik- und Frächter-Bereich, werden zur Bestandslokalisierung in Büchereien bereits in Wien verwendet, auch Nutz- und Zootiere werden damit gekennzeichnet.

In den nächsten Jahren sollen weitere Möglichkeiten etabliert werden, auch gesundheitliche Daten wie Herzfrequenz, Blutdruck oder Insulinspiegel, also den gesamten Biorhythmus zu erfassen. Dann könnten bei einem medizinischen Notfall die Sanitäter oder Ärzte (mit entsprechendem Lesegerät) sofort die Krankengeschichte sowie die medizinischen Daten des Patienten einsehen. So jedenfalls wünschen es die Befürworter.

RFID-Chip: Was ist das und was kann das?

Die Bezeichnung RFID bedeutet Radio-Frequency Identification und wird von den Herstellern kurz ,,Tag“ genannt. Ein handelsübliches Implantat ist ungefähr einen Zentimeter lang sowie zwei Millimeter breit. Auf einem RFID-Chip können aufgrund von elektromagnetischen Wellen, die auf den jeweiligen Frequenzen schwingen, Daten gespeichert und ohne direkte Berührung wieder ausgelesen werden.

Da die Chips in den allermeisten Fällen in den Zwischenraum zwischen Daumen und Zeigefinger eingebracht werden, muss der Kunde seine Hand nur an das digitalisierte Türschloss halten und die Tür öffnet sich. Es besteht auch die Möglichkeit, an jeder beliebigen Kasse, die über ein NFC-Lesegerät verfügt, mit dem einfachen Scan der Hand zu bezahlen, insofern vor der Implantation von der Bank die Kontodaten auf den Chip geladen wurden.

Diese Entwicklung löst allerdings kontroverse Reaktionen aus

Welche Daten er mithilfe einer Smartphone App wie NFC Tools oder Trigger auf das Implantat lädt, entscheidet der Nutzer selbst. Eine 100-prozentige Sicherheit dafür, dass der Chip beim Einsetzen in den Körper leer ist, gibt es allerdings nicht. Über 50.000 Menschen weltweit tragen bereits ein solches RFID-Implantat in sich.

Während die Generation bis 35 sie größtenteils als durchaus positive Perspektive für die Zukunft ansieht, trifft sie andererseits auf enorme Skepsis, die sich einmal aus der grundlegenden Abneigung speist, sich einen Fremdkörper unter die Haut setzten zu lassen, und zum anderen aus der damit verbundenen möglich werdenden Kontrolle und Überwachung.

Ist dadurch die Totalüberwachung möglich?

Es ist allgemein bekannt, dass staatliche Institutionen wie Geheimdienste nicht nur geringfügig besser digital ausgestattet sind als der Durchschnittsbürger. Und tatsächlich: Ein schwedischer RFID-Hersteller gibt zu: Man kann die Daten recht einfach auslesen. Die jetzige Generation von Implantaten ist nicht verschlüsselt.

Solange sich nur die sowieso hackbaren Facebook- und Twitter-Profile darauf befinden, entsteht kein wirklicher Unterschied zur aktuellen Situation und auch Türen kann man normalerweise ohne Hacking aufbrechen. Wenn es aber darum geht, dass die medizinischen Daten von allen Menschen, die sich mit solchen Implantaten chippen ließen, per Mausklick abrufbar sind, wird es heiß.

Chip und Medikamente

Insbesondere die Pharmaindustrie würde sich sicher keiner Kooperation verweigern, wenn damit die Steigerung der eigenen Profite möglich wird. Dann könnte schon bald die Werbung für Kopfschmerztabletten nur wenige Sekunden nach Einsetzen der tatsächlichen Kopfschmerzen auf dem Bildschirm von Smartphone oder PC aufflimmern. Durch das akute Bedürfnis nach Linderung des körperlichen Schmerzes würde die Konsumwahrscheinlichkeit um einiges steigen.

Vorreiter: Schweden

Bereits bei der Digitalisierung von Schulen und Kindergärten (die ebenfalls keine optimale Voraussetzung für deren natürliche Entwicklung bietet), ist Schweden Deutschland weit voraus. In Umfragen auf der Straße sehen die meisten Passanten das Implantat nicht nur unkritisch, sondern wünschen sich sogar die Ausweitung seiner Funktionen.

So erklärt beispielsweise eine Frau, sie wünsche sich, dass die Funktionen bezüglich des Biorhythmus so schnell wie möglich eingeführt werden sollten und dass in fünf Jahren hoffentlich jeder Krankenwagen ein Lesegerät habe.

Ärztlicher Rat aus der Distanz

Während jeden Tag Hunderttausende Patienten die Wartezimmer der Ordinationen füllen, versprechen Internet-Dienstanbieter den „besseren Arzt“ per Online-Service samt Video-Kopplung. Immer mehr Menschen nutzen digitale Angebote, um verschiedene Körperfunktionen wie Blutdruck, Blutzuckerspiegel oder Puls kontinuierlich zu messen. Informationen werden über Smartphone- oder Fitness-Apps zuhauf dokumentiert, medizinische Informationen wie Anamnese, Blutwerte oder Befunde in Arztpraxen direkt in Computersystemen erfasst.

Die intelligente Verknüpfung dieser gewaltigen Datenmengen durch leistungsfähige Computersysteme birgt die Möglichkeit, ein ganzheitliches Bild der Gesundheit jedes einzelnen Menschen zu zeichnen. „Dies hat viele Vorteile, aber auch ein Missbrauchs- Potenzial. Beispielsweise könnte die Gefahr bestehen, dass Arbeitgeber oder Versicherungsanbieter den Zugang zu diesen Daten verlangen.

Der ärztliche Rat aus der Distanz ist in vielen Ländern aufgrund geografischer Gegebenheiten längst Standard oder hilft, einen Ärztemangel zu kompensieren. In der Schweiz bieten Unternehmen bereits Telemedizin bzw. Beratungsservice mit Video-Ärzten rund um die Uhr, Rezepte für Halsweh, Rückenschmerzen etc. werden gleich elektronisch ausgestellt.

Mensch gegen Maschine

Der Einsatz von Maschinen im Gesundheitsbereich nimmt stetig zu. Roboter sind teilweise zu erheblich komplexeren sowie feineren Eingriffen fähig, und in der Diagnostik werden Ärzte bereits von der Technik übertroffen. An der MedUni Wien ist eine der neuesten Errungenschaften ein automatisches, digitales Netzhaut-Screening, um ohne Hilfe des Arztes Diabetes am Auge zu diagnostizieren.

Quellen und Anmerkungen:

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Quelle: Haustiermesse
Bild: Haustiermesse