Pflege - ein brandheißes Thema, nicht erst seit heute!

Die Ziele sind klar: Altern in Würde und die bestmögliche Versorgung sicherstellen!

Das Gesundheitssystem befindet sich in einem Wandel: Wir leben länger und wollen gesund bleiben, Medizin wird spezialisierter und muss sich unseren Bedürfnissen anpassen. Die Gesundheitsversorgung und vor allem die Pflege steht vor Herausforderungen.

Laut Ärztekammer sind aktuell 157 Kassenstellen unbesetzt. 95 davon betreffen Allgemeinmedizin, 62 fehlen bei Fachärzten. 75 neue Gesundheitszentren sollen Ärztemangel am Land stoppen. Hätten wir das beste Gesundheitssystem der Welt, gäbe es viele Probleme nicht, wie Medikamentenversorgung oder Ärztemangel im ländlichen Bereich. Wie gesund sind die Österreicher? Im OECD-Schnitt sind wir im Mittelfeld und nicht an der Spitze.

Der Beruf des Hausarztes und der Hausärztin muss attraktiv bleiben, um fit für die Zukunft zu sein und weiterhin eines der besten Gesundheitssysteme der Welt beizubehalten. Mehr Gesundheit durch eine gestärkte Primärversorgung ist dabei sehr wichtig … weiterlesen

Pflege darf nicht Pflegefall werden

Die im Regierungsprogramm angekündigte “qualitätsvolle Pflege für alle” begrüßt der Samariterbund. So wie auch die ersten gesetzten Maßnahmen in Richtung einer Pflegepersonaloffensive. Gleichzeitig fordert er aber eine Unterstützung, damit Menschen leichter in Pflegeberufe wechseln können. Wenn wir nicht wollen, dass unser Pflegesystem selbst zum Pflegefall wird, benötigen wir gute und attraktive Bildungsangebote denn im Gesundheits- und Sozialbereich und damit auch bei den Pflegeberufen stehen in den nächsten Jahren grundlegende Herausforderungen bevor.

Bedingt durch die demografischen Entwicklungen und die steigende Lebenserwartung ist einerseits mit einem Anstieg alter und hochbetagter Menschen zu rechnen und damit auch mit einem Anstieg der Pflegebedürftigkeit. Deshalb sind wir gefordert, Dinge neu zu denken.

Pflege: viele Fragen und wo sind die Antworten?

Welches Versorgungssystem ist geeignet, um aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu begegnen? Welche Rolle kann/soll und muss Pflege darin spielen? Welche (neuen) Rollen in der Gesundheits- und Krankenpflege braucht es, damit das System gut funktioniert? Welche gesetzlichen und strukturellen Rahmenbedingungen sind dafür nötig? Welche Kompetenzen brauchen diese Personen? Wie müssen sie ausgebildet sein?

Wir haben einen starken Sozialstaat, und da gehören das Altern in Würde und die bestmögliche Versorgung dazu. Die Problemstellungen rund um das Thema Pflege sind komplex, ineinander verwoben und müssen daher systematisch bearbeitet werden! Es gibt jedenfalls einiges zu tun.

Zur aktuellen Diskussion über die Zukunft der Pflege in Österreich merkt der SAMARITERBUND an: Es dürfen dabei nicht nur die Kosten im Fokus stehen, sondern vor allem auch die Qualität der Services sowie die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit der Konzepte.

Über 75.000 Pflegekräfte werden bis 2030 gesucht

Denn während die Zahl der pflegebedürftigen Personen in Österreich weiter steigt, rechnen Experten mit einem Rückgang von familiären Betreuungsressourcen. Daher und aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der zusätzlich benötigten Pflegekräfte bis ins Jahr 2030 auf 75.700 Personen geschätzt. Dazu kommt: Von den mehr als 63.000 sogenannten Personenbetreuern stammen laut der Wirtschaftskammer hierzulande 43,2 Prozent aus Rumänien, weil sie bei uns mehr Geld verdienen??!! Ohne diese würde unser Pflegesystem sofort zusammenbrechen. In Rumänien zählt man zurzeit 250.000 Sozialwaisen, weil deren Eltern in Westeuropa als Arbeitsmigranten arbeiten. Die Frage ist, wer Pflegt dann noch im eigenen Land?

Zuletzt waren in Österreich bereits etwa 127.000 Menschen in der Pflege beschäftigt. Das zeigte eine im November 2019 veröffentlichte Studie der Gesundheit Österreich GmbH, die vom Sozialministerium in Auftrag gegeben wurde. Basierend auf dem Erhebungszeitraum 2017 und unter Berücksichtigung der altersmäßigen Verteilung der Inanspruchnahme von Pflege und Betreuung in Krankenhäusern und im Bereich der Langzeitpflege wird 2030 von einem zusätzlichen Bedarf von 31.400 Personen ausgegangen.

Dieser Zusatzbedarf erhöht sich dem Papier zufolge auf 34.200 Personen, wenn davon ausgegangen wird, dass informelle Pflege zurückgehen wird und in den Bundesländern als Reaktion darauf mobile Pflege und Betreuung zu Hause ausgebaut wird.

Ein Drittel der Pflegerinnen ist über 50

Da rund ein Drittel der Pflege- und Betreuungspersonen über 50 Jahre alt ist und im Jahr 2030 nicht mehr im Erwerbsleben stehen wird, ist zudem damit zu rechnen, dass weitere 41.500 Personen in den Beruf einsteigen müssen, um den Bedarf decken zu können, schreiben die Experten in der Studie.

Das bedeutet für Österreich einen zusätzlichen Bedarf von 34.000 Personen durch die Zunahme der älteren Menschen und einen Ausbau von Pflege und Betreuung zu Hause (rund 13.000 Personen mehr im Krankenhaus und 21.000 Personen mehr im Langzeitbereich) und eine Abdeckung von Pensionierungen von 41.500 Personen – also in Summe 75.700 Personen mehr bis 2030.

Für Pflegefachkräfte entspricht das einem jährlichen Bedarf von 3.900 bis 6.700 zusätzlichen Personen. Dieser Personalbedarf könne aufgrund eines Rückgangs von Absolventen spätestens im Jahr 2024 nicht mehr gedeckt werden, befürchten die Studienautoren.

Der „Zukunftsplan Pflege” im Burgenland sieht ein Anstellungsmodell vor mit dem Ziel pflegende bzw. betreuende Angehörige abzusichern und zu entlasten.

Die Finanzierung ist noch nicht geklärt!

Was die Finanzierung betreffe, solle man diese leidige Debatte zwischen Bund und Ländern beenden. Auch die zentrale Grundlage einer bedarfsgerechten Finanzierung, die längst reformbedürftig ist, muss endlich klar angesprochen werden: Es geht vor allem um die Einschätzung des Pflegebedarfs.

Hier muss es eine „Neubewertung der Einstufung“ mit mehr Augenmerk auf den Pflegebedarf bei Menschen mit Demenz, sowie eine „Weiterentwicklung des Einstufungsprozesses“ geben. In Österreich fehlt die wichtigste Grundlage für ein modernes Einstufungssystem: die theoretische Fundierung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs, die Ableitung des Pflegebedarfs daraus und darauf aufbauende, treffsichere Bewertungsinstrumente.

Thema Ausbildung

Die Pflege ist aktuell einem rasanten Wandel unterzogen. Die Digitalisierung, immer höher werdende Kosten oder der demografische Wandel sind nur einige Punkte die aufzeigen, warum es hierfür Experten braucht. Z.B. bietet der Studiengang Pflegemanagement aktuell exzellente Perspektiven in der Pflege … weiterlesen

Auch der Ruf nach einer Pflegelehre wird immer lauter, doch in Österreich kann man derzeit Pflegeschulen erst mit 17 Jahren besuchen … weiterlesen

Es wird aber weiterhin auch einen anderen Zugang zum Beruf der Pflege(fach)assistenz brauchen. Denn gerade die Zielgruppe der Erwachsenen, die sich auf erstem oder zweitem Bildungsweg dazu entschließt, sollte man hinsichtlich der kommenden geburtenschwachen Jahrgänge, ansprechen.

Auf keinen Fall darf es bei Einzelmaßnahmen bleiben

Die Politik muss Gesundheits- und Krankenpflege als einen – nicht nur zahlenmäßig – zentralen Player im Gesundheitssystem erkennen und das volle Potenzial in einer umfassenden Reform ausschöpfen.

Weblinks

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Quelle: Gesundheit Österreich GmbH
Bild: pixabay