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Thema: 96.000 Tonnen Essen für den Müll

... während weltweit fast eine Milliarde Menschen hungert!!!

Samariterbund – Nachdenktipp

Während weltweit fast eine Milliarde Menschen hungert, landen allein in Österreich jährlich 96.000 Tonnen Essen im Müll. Ein beträchtlicher Teil sogar noch in der Originalverpackung.

Ganz oben auf der Liste stehen Milchprodukte und Eier. Dann kommt Gemüse, gefolgt von Brot und Fleischwaren aller Art. Was wie eine harmlose Einkaufsliste klingt, ist in Wahrheit das Gegenteil: Es ist eine Aufstellung jener Lebensmittel, die in Österreich Tag für Tag nicht gegessen werden, sondern im Müll landen. 96.000 Tonnen an noch genießbarem Essen sammeln sich laut Lebensministerium jedes Jahr in den österreichischen Restmülltonnen an. Damit ließe sich rechnerisch ganz Innsbruck ein Jahr lang ernähren. Anders ausgedrückt wirft jeder Österreicher im Schnitt 11,5 Kilogramm unverdorbenes Essen in den Müll.

Den Österreichern ist dieser Luxus viel wert.

Jeder Bürger gibt laut Erhebung der Bundesregierung im Schnitt jährlich mehr als 300 Euro für Lebensmittel aus, die schließlich in den Mülleimern enden. „Auch die Wirtschaftskrise scheint an dieser Situation nicht viel geändert zu haben“, sagt Felicitas Schneider, Expertin für Abfallvermeidung an der Wiener Uni für Bodenkultur (Boku). Das Vorurteil, wonach reiche Österreicher mehr Essen wegwerfen als ärmere, ist für die Forscherin eine Fehlannahme. Unterschiede gebe es nur beim Alter. In Regionen, wo eher betagte Menschen zu Hause sind, finden sich in den Mülltonnen weniger Lebensmittel als im Durchschnitt. „Bei ihnen scheint die Werthaltung gegenüber Nahrungsmitteln noch eine andere zu sein“, folgert Schneider.

Wie kommt es, dass wir so unsorgsam mit unserem Essen umgehen?

Experten machen dafür zum einen die vielen Lockangebote im Handel verantwortlich, die zum Kauf von Großpackungen anregen. Zudem hätten wir uns einfach „an billige Lebensmittel im Überfluss gewöhnt“, sagt Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe.
Zu den privat entsorgten Lebensmitteln kommen freilich noch jene, die in den Supermärkten aus den Regalen genommen werden müssen. Zumindest hier setzt sich langsam durch, dass dieses Essen karitativen Einrichtungen wie Sozialmärkten zugutekommt.

Ungeöffnet in den Müll

Insgesamt, so sagt Schneider, werde in den Städten noch wesentlich mehr in den Mülleimer befördert als auf dem Land. So wirft der Durchschnittswiener laut Boku jährlich 40 Kilogramm Lebensmittel weg. Zehn Prozent davon landen in der ungeöffneten Originalpackung im Restmüll. Inklusive geöffneter und halb verbrauchter Lebensmittel macht das Essen sogar ein Drittel der Restmüllmenge aus.

Dabei liegt Österreich noch deutlich besser als manch andere Staaten.

Weltweit, so hat die UN-Ernährungsorganisation FAO errechnet, geht ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion in den Müll. Das sind 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. Gleichzeitig leidet fast eine Milliarde Menschen an Unterernährung. Allein in den Industriestaaten wird jährlich so viel Essbares entsorgt, wie das gesamte südliche Afrika im selben Zeitraum produziert. Der Unterschied zwischen armen und reichen Ländern: Während in Europa und Nordamerika überwiegend Konsumenten und Handel für das Wegwerfen verantwortlich sind, geht in den Entwicklungsländern am meisten beim Transport zwischen Ernte und Verkauf verloren.

Ein Problem ist die Verschwendung nicht nur in ethischer Hinsicht.

Etwa ein Viertel des weltweiten Wasserverbrauchs wird für den Anbau von Lebensmitteln verwendet, die später auf den Müll geworfen werden, heißt es in der neuen Dokumentation „Taste the Waste“. Auch Land, Arbeitskräfte und Maschinen werden so quasi umsonst eingesetzt – mit verheerenden Auswirkungen auf die Klimabilanz. Dass sich dieser Trend bald ändert, ist nicht abzusehen.

Buchtipp “Die Essensvernichter”

Das Buch beschreibt die Zusammenhänge zwischen Lebensmittelverschwendung und Energievergeudung, die Auswirkungen auf den Klimawandel und die Hungerkatastrophen in den Schwellenländern. Das Autorenduo lässt vom einfachen Bauern in Kamerun, dessen Familie nicht ein Mal im Jahr Fleisch konsumieren kann, bis zu Carlo Petrini, dem italienischen Begründer der “Slow Food“-Bewegung, Spezialisten, Forscher und Produzenten ausführlich zu Wort kommen. Gleichzeitig werden Alternativen und neue Konzepte aufgezeigt, wie man der Massenvernichtung von Lebensmitteln entgegentreten kann.
Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger: “Die Essensvernichter“, Kiepenheuer & Witsch, 319 S., EUR 17,50