Menschen vor dem Vorhang
Guter Samariter im Sozialmarkt

Eine Initiative des Samariterbundes Favoriten im jahr der Freiwilligkeit
Neun Jahre war Wilhelm Schön obdachlos. Heute engagiert er sich freiwillig im Sozialmarkt des Arbeiter- Samariter-Bundes.
“Die neun Jahre auf der Straße waren die schlimmste Zeit meines Lebens”, erinnert sich Wilhelm Schön. Seine Gedanken kreisten in dieser Zeit nur darum, wie er den nächsten Tag überstehen würde. Doch Wilhelm Schön hat das geschafft, was nur ganz wenigen gelingt: Er hat sein Leben wieder in den Griff bekommen und den Weg aus der Obdachlosigkeit gefunden. Heute schlichtet der 64-jährige Pensionist ehrenamlich im Sozialmarkt des Samariterbundes im 15. Wiener Gemeindebezirk Waren in die Regale und steht an der Kasse.
Die Arbeit und die Menschen hier im Sozialmarkt bedeuten mir alles
Gemeinsam mit seinen Kollegen gewährleistet er, dass armutsgefährdete Menschen kostengünstig Lebensmittel wie Brot, Milch, Obst und Gemüse einkaufen können, die sie sich sonst nur schwer leisten könnten. Ein Job, der ihn ausfüllt: “Die Arbeit und die Menschen hier im Sozialmarkt bedeuten mir alles”, erzählt Wilhelm Schön voll Freude und Dankbarkeit. Denn er kann besonders gut nachvollziehen, wie es Kunden geht, die im Sozialmarkt einkaufen müssen, weil sie nur wenig Geld zur Verfügung haben. Neun Jahre lang musste der Wiener auf der Straße ums Überleben kämpfen. Wie er dort gelandet ist, ist für ihn auch heute noch immer unverständlich.
Denn eigentlich ist in seinem Leben immer alles rund gelaufen:
Seit seiner Kindheit lebte Wilhelm Schön bei seiner Großmutter, zu der er eine sehr innige Beziehung hatte: “Sie war mein Ein und Alles, hat mich auch immer unterstützt.” Schon damals kam seine Hilfsbereitschaft immer wieder zum Ausdruck, er machte Besorgungen und Einkäufe für andere Menschen. Und auch für seine Großmutter war er immer da, pflegte sie bis ins hohe Alter. Doch dann veränderte sich sein Leben drastisch:
Wilhelm Schön wurde von einem Tag auf den anderen obdachlos.
Als die Großmutter ins Pflegeheim musste, verlor Herr Schön die Wohnung, die ihr gehörte. “Es ist schrecklich, wenn man plötzlich alles verliert”, erinnert sich der 64-Jährige. Doch den Glauben daran, wieder in ein normales Leben zurückzufinden, hat Herr Schön nie verloren und deswegen auch nie aufgegeben. “Wenn man etwas will, schafft man es auch.” Nachdem er schon einiges versucht hatte, um von der Straße wegzukommen, suchte er 2008 aktiv Hilfe beim Samariterbund.
Der Startschuss für ein neues Leben:
Er bekam im Haus Sama in Wien Favoriten einen sozial betreuten Wohnplatz, ab da ging es wieder aufwärts. Wilhelm Schön gliederte sich gut ein und unterstützte das Betreuungsteam. Doch Herr Schön wollte mehr: “Ich habe meiner Betreuerin gesagt, dass ich etwas machen und mithelfen möchte!”
Seit Juni 2010 ist er aus dem Sozialmarkt nicht mehr wegzudenken.
30 Stunden pro Woche arbeitet er freiwillig, ohne einen Cent dafür zu bekommen, und ist damit einer von mehr als 5000 Freiwilligen, die sich beim Arbeiter- Samariter-Bund für andere Menschen einsetzen. Er schlichtet, kontrolliert und verkauft Waren, ist in regem Kontakt mit den Kunden. Wilhelm Schön packt dort an, wo eine helfende Hand gebraucht wird, bestätigt auch seine Kollegin Christina Vidic, die den Sozialmarkt leitet:
“Er macht jede Arbeit mit so viel Liebe. Wir sind alle sehr stolz auf ihn.”
Wenn auch Sie sich freiwillig beim Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs engagieren wollen, im Rettungsdienst oder im Sozial- und Gesundheitsbereich: Infos gibt es unter www.samariterwien.at oder Tel. 01/ 89 145-141
Organisationen, Vereine und Projekte in ganz Österreich öffnen am Freitag, 17. Juni ihre Türen für alle, die sich freiwillig engagieren möchten, so auch einen Tag der offenen Tür beim Samaritrebund in Wien
mehr Infos gibt es unter www.freiwilligentag2011.at





