Wissenswertes rund um den Blindenführhund

Ausbildung, Kosten, Geschichte sowie gesetzliche Regelungen

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Viele Blinde haben zu ihren Hunden eine besonders enge Beziehung. Die Vierbeiner leihen ihren Herrchen das Augenlicht und geben ihnen damit ein Stück Lebensqualität zurück.

Blindenführhunde sind im Einsatz für den Menschen. Das ist zum einen seit nunmehr über 100 Jahren selbstverständlich, zum anderen gerät leider immer wieder in Vergessenheit, wie unzertrennlich der Mensch mit dem Hund verbunden ist.

Ausbildung

Wesensfeste, friedfertige, nervenstarke, intelligente und belastbare Hunde werden zu Blindenführhunden ausgebildet. Die aufwändige Ausbildung dauert ca.12 Monate, dabei wird gemeinsam mit dem Halter in der Blindenführschule und zuhause trainiert. Die durchschnittliche aktive Zeit liegt bei etwa 10 Jahren. Die Kosten eines Hundes betragen ca. 27.000,- Euro.

In § 39 a des Bundesbehindertengesetzes (BBG) gesetzlich geregelt

Seit 1. Jänner 2015 wurde das BBG novelliert. Zu den gesetzlich definierten Assistenzhunden zählen nun Blindenführ-, Service- und Signalhunde. Die Vorgaben für die Beurteilung und die Anforderungen an die die Beurteilung durchführende Stelle sind in den vom Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz erlassenen Richtlinien festgelegt.

Geschichte

Bereits in der Antike schien der Hund als treuer Gefährte von Blinden gedient zu haben, doch eher als Begleiter denn als Führhund im heutigen Sinn. Wandmalereien aus Herculaneum aus dem 1. Jh. n. Chr. bestätigen dies.

Auch aus Fernost gibt es bereits ein frühes Zeugnis: auf einem Seidenteppich aus dem 13. Jahrhundert ist ein Mann mit Stock und Hund abgebildet. Erstmals wurden Hunde für Blinde um 1780 systematisch ausgebildet – von den Bewohnern des Pariser Blindenhospitals “Les Quinze-Vingts”.

Pionier aus Wien

Der erste echte Pionier kam aus Wien: der blinde Siebmacher Josef Reisinger richtete 1788 einen Spitz so gut ab, dass seine Zeitgenossen seine Blindheit sehr oft bezweifelten.

Der Gründer des Wiener Blinden-Erziehungs-Institutes Johann Wilhelm Klein erwähnte 1819 in seinem “Lehrbuch zum Unterricht der Blinden” den Blindenführhund und gab auch einige wertvolle Hinweise zur Abrichtung. Es gibt aber keine Berichte darüber, ob Hunde in der Wiener Blindenanstalt tatsächlich abgerichtet wurden. In der Schweiz richtete Jakob Birrer ebenfalls einen Spitz zum Führhund ab, der ihm 5 Jahre lang als treuer Begleiter diente. Er berichtete darüber in seinem Buch “Erinnerungen, besondere Lebensfahrten und Ansichten des Jakob Birrer”, (erschienen 1847).

Der Wiener Arzt Senfelder griff den Gedanken des Blindenführhundes nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges neu auf, aber leider fand sein Forderung, dass man den im Krieg erblindeten Männern einen Führhund an die Seite stellen sollte, in Österreich kein Gehör.

Deutscher Verein für Sanitätshunde

Im August 1916 gründete Geheimrat Stalling, Vorsitzender des “Deutschen Vereins für Sanitätshunde” mit Unterstützung des Kriegsministeriums die erste Blindenführhundschule der Welt in Oldenburg, BRD.

Bereits im Oktober 1916 wurde der erste Blindenführhund übergeben. Diese Führhunde versahen ursprünglich ihren Dienst als Verwundetensuchhunde und wurden als Blindenführhunde “umgeschult”. Die kostenlose Abgabe erfolge zunächst nur an Kriegsblinde. 1919 wurden 539 Kriegsblinde mit Führhunden versorgt und am 1920 waren 867 Hunde im Einsatz. Die Oldenburger Führhundschule unterhielt im Laufe der nächsten Jahre 9 Filialbetriebe (in Bonn, Breslau, Dresden, Essen, Freiburg, Hamburg, Magdeburg, Münster und Hannover) und bildete jährlich bis zu 600 Führhunde aus. Nicht nur deutsche Kriegs- und Zivilblinde erhielten diese Hunde, sondern auch Blinde in England, Frankreich, Spanien, Italien, Amerika, Kanada und Russland wurden mit Führhunden versorgt. Leider musste das Unternehmen 1926 seinen Betrieb einstellen.

Es entstand jedoch eine zweite Führhundeschule in Potsdam, die bahnbrechende Erfolge lieferte und das Mekka der Führhundeausbildung wurde. Bis 1941 hatte die Schule über 2500 Hunde abgegeben, von denen nur 6% aufgrund mangelnder Ausbildung zurückgenommen werden mussten. 1952 fand diese Schule durch das DDR-Regime ihr jähes Ende.

Internationale Entwicklung.

Die Erfolge der Potsdamer Schule wurden im In- und Ausland mit Interesse verfolgt und die Amerikanerin Harrison-Eustis, später Mitbegründerin der Schule “The Seeing Eye” in Morristown/New Jersey, arbeitete 1927 mehrere Monate unbezahlt mit, um die Methodik dieser Schule zu studieren.

1928 eröffnete eine Schule für Führhundausbildner in der Schweiz, die in Folge ihrerseits wieder Schulen in ihren Heimatländern eröffneten. Der Schwerpunkt verlagerte sich nach 1945 in die USA, wo sich große Schulen entwickelten. Erst im Jahre 1949 kam es zur Neugründung von Blindenführhundschulen in der BRD, diesmal jedoch vorwiegend auf privater Basis.

Die amerikanischen Schulen wie “The Seeing Eye” und “Guide Dogs for the Blind” finanzieren sich aus Spenden und Stiftungen und können ihre Hunde gegen einen symbolischen Betrag abgeben. Die Hunde kommen meist aus der schuleigenen Zucht und stehen unter laufender tierärztlicher Kontrolle. Die Aufzucht wird von Pateneltern übernommen, die dem Hund auch eine Grunderziehung vermitteln. Die Qualität einer Führhundschule zeigt sich aber nicht nur in der Ausbildung der Führhunde und der Zusammenschulung des Führgespannes, sondern auch in der Nachbetreuung. So hat “Guide Dogs For The Blind” einen Sozialdienst aufgebaut, der sich ständig um die Nachbetreuung der Führgespanne kümmert.

Auch in Großbritannien ist die Organisation “Guide Dogs For The Blind” federführend.

Derzeitige Situation

In Deutschland und Österreich gibt es noch keine geregelte Nachbetreuung, sondern es bleibt der Führhundschule und auch dem Führhundhalter nach bestandener Prüfung überlassen, ob und in welchem Umfang eventuell weitere Ausbildungen absolviert werden.

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Quelle: Sabine Kleist
Bild: pixabay