Krankentransporte: Runder Tisch soll Lösung bringen

Qualifizierter Rettungs- & Krankentransport in Gefahr - weitere Kündigungen drohen!

Wien, 21.07.2017

Die Probleme im Wiener Rettungswesen lassen sich nicht mehr kaschieren. Nun ist auch der Katastrophenschutz gefährdet.

Seit März 2014 berichteten div. Printmedien regelmäßig über den Notärztemangel und die personelle Ausdünnung bei Rettungs- und Notfallsanitätern der Wiener Berufsrettung (Magistratsabteilung 70). Vertreter der Berufsrettung und Sprecher der zuständigen Gesundheitsstadträtinnen Sonja Wehsely und Sandra Frauenberger dementierten stets, dass es zu Versorgungsengpässen komme.

Doch nun lassen sich die Mängel nicht mehr verbergen

In einem offenen Brief vom Juli beklagen die sozialdemokratischen Betriebsratsvorsitzenden der Berufsrettung die “bestehende Personalknappheit“, die “bei hochpriorisierten Einsätzen zur Beeinträchtigung der Versorgungsqualität der Patienten“ führe.

Aus dem Rathaus soll es für die unbotmäßige Kritik der roten Personalvertreter einen heftigen Rüffel gesetzt haben. Wie schon seit Jahren argumentiert die MA 70-Führung auch nun, dass bei etwaigen Engpässen die Blaulichtorganisationen (Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter, Malteser) aushelfen würden.

Der Grund:

Die Wiener Gebietskrankenkasse beauftragt aus Kostengründen für Krankentransporte vermehrt günstigere Rettungsfahrdienste statt die Rettungsorganisationen, denen damit eine wichtige Einnahmenquelle entfällt. Da Rotes Kreuz & Co. die Berufsrettung bei Großeinsätzen entlasten sollen, ist durch die Kündigung der Sanitäter auch der Katastrophenschutz der Bundeshauptstadt gefährdet.

Über 30 % Rückgang der Fahrten

Grund dafür ist, dass vor allem in Wien immer mehr Transporte auf private Unternehmen übertragen werden. Die Patienten werden dann nicht mehr vom Roten Kreuz, Samariterbund, Malteser oder Johanniter (4fürWien) geführt, sondern von privaten Firmen.

Innerhalb der letzten drei Jahre ist die Zahl der Krankentransporte der 4fürWien von 265.000 auf 180.000 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von rund 32 Prozent. Das Wiener Rote Kreuz hat zuletzt sogar ein Viertel aller Sanitäter zur Kündigung angemeldet. Begründet wurde dieser Schritt mit der schlechten Auftragslage.

Runder Tisch für eine saubere Lösung

Die Wiener Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger ist nun um Deeskalation bemüht. Sie hat zu einem Runden Tisch geladen, bekräftigt allerdings, dass Reformen im Bereich des Krankentransport notwendig seien.

In einer Aussendung betont sie, dass dieser Schritt vor allem wichtig ist, “um eine qualitativ hohe und effiziente Versorgung für die Zukunft garantieren zu können”. Außerdem weist Frauenberger darauf hin, dass der Zustand vieler Patienten nach Spitalbehandlungen besser sei als früher. Demnach tragen dazu vor allem die modernen Operationsmethoden bei.

Was passiert bei Großunfällen, Großschadensereigissen und Katastrophen?

Fahren hier die “sogenannten günstigen Fahrtendienste und helfen hier den Menschen in der NOT? Bei solchen Ereignissen gibt es keinen Dienstplan für die MitabeiterInnen, der in der Vorwoche aufgestellt wird!

Die Rettungsdienste orientieren sich bei der Besetzung am Spitzenbedarf. In manchen Fällen können Patienten warten. Wenn aber Großbedarf besteht, etwa wie bei einem Anschlag in Paris, sind Taxis nicht in der Lage, für die Versorgung aufzukommen.

Großschadensereignisse und Katastrophen kommen plötzlich, unerwartet, sind unberechenbar und betreffen uns oft unmittelbar. Die beste Chance mit Katastrophen fertig zu werden liegt darin, rechtzeitig und umfassend vorzusorgen!

Politiker müssen sich fragen, ob sie ein System, das über Jahrzehnte funktioniert hat, kaputt sparen wollen. “Grundsatzfragen der Organisation, Abläufe und Prozesse, sowie Fragen der künftigen Finanzierung”, müssen geklärt werden aber bitte auch das zu berücksichtigen!

Protestveranstaltung “Rettet die Retter”

Unterdessen hat die Gewerkschaft vida bereits eine Protestveranstaltung für den 25.7.2017 um 19:00 Uhr im Saal Wilhelmine Moik, ÖGB Catamaran, Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien, (U2 „Donaumarina“) angekündigt.

Siehe OTS-APA-Aussendung von vida: Protestveranstaltung zum Kaputtsparen bei Blaulichtorganisationen

Kritisiert wird, dass die Blaulichtorganisationen kaputtgespart werden. Auch die privaten Transportunternehmen werden bemängelt. So wird bekrittelt, dass es für sie “keinerlei Hygienevorschriften” gebe und, dass die Fahrer für den Gesundheitsdienst unqualifiziert seien.

Die Wiener Gebietskrankenkasse hebt jedenfalls hervor, dass die Transporte nach dem medizinischen Bedarf organisiert werden und nicht immer ein Blaulicht-Krankenwagen mit Sanitätern und Krankenliege notwendig sei: “Oftmals reicht – auch nach ärztlicher Einschätzung – ein Fahrtendienst.”

Vorläufige Ergebnisse

Die Gewerkschaft wird den Protest gegen die Kürzungen im Wiener Rettungswesen auf die Straße verlegen. Bei einer Betriebsversammlung Dienstagabend im ÖGB-Haus beschlossen 98,9 Prozent der rund 450 versammelten Sanitäter “flächendeckende Maßnahmen im öffentlichen Raum”, wie es Helmut Gruber, Vorsitzender der Gewerkschaft vida formuliert. Wie die Aktionen im Detail aussehen werden, will er noch nicht verraten.

Gleichzeitig wurde am Dienstag vereinbart, mit der Stadt und der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) in Verhandlungen zu treten. Sollten diese fruchtlos bleiben, drohen Kampfmaßnahmen. “Ein Streik steht aber erst am Ende des Maßnahmenkatalogs”, sagt Gruber.

Auch andere Organisationen wie etwa die Johanniter leiden unter diesem Problem.
“Angesichts des Kaputtsparens bei sämtlichen Blaulichtorganisationen können und wollen wir nicht mehr tatenlos zusehen”, betont Gruber.

Das “Spardiktat” würde den qualifizierten Krankentransport gefährden, warnt er. Ausgebildete Rettungssanitäter würden gegen unqualifizierte Fahrer getauscht werden. Den Patienten stünden damit Beschäftigte aus Taxi- oder Mietwagenunternehmen zur Seite statt Experten.

In dieselbe Kerbe schlägt das Rote Kreuz: “Wenn Personal und Fahrzeuge eingespart werden, fehlen sie bei Notfalleinsätzen. Das führt zu längeren Wartezeiten für Patienten. Im Regelbetrieb kann die Versorgungssicherheit gefährdet sein – genauso bei Katastrophen und Großveranstaltungen.”

Gewerkschafter Gruber fordert eine grundlegende Reform des Rettungswesens: “Im Idealfall soll das ganze System auf neue Füße gestellt werden.”

Er sagt aber auch die Teilnahme an einem runden Tisch zu, den Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) angekündigt hat. Geleitet wird das Forum, an dem neben Rotem Kreuz, Johanniter, Malteser und Samariterbund, die WGKK und Gewerkschaft teilnehmen, von Peter Hacker, Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien.

Hier noch ein Leserbrief zu diesem Thema …

Quelle: “Kleine Zeitung” vom 22.07.2017 Seite: 36 Ressort: Leserbriefe Steiermark

Leserbrief: Sparstift regiert

Mehr Menschlichkeit und weniger Sparstift, das wünschen sich Leser in Zukunft von der Gesundheitsversorgung.

Im Kranken- und Rettungsdienst hat gespart zu werden. Etwa ein Drittel gut ausgebildeter Sanitäter wird in einem anderen Beruf arbeiten müssen. Das wäre hinzunehmen, gäbe es nicht noch andere Überlegungen. Jede Gemeinde hat auch die Verpflichtung, ihren Bürgern bestmögliche Unterstützung zu geben.

Bei Brand und technischer Hilfeleistung sind hier die örtlichen Feuerwehren zuständig. Bei Personenschäden sind die Hilfsorganisationen wie Rotes Kreuz oder Arbeitersamariter unverzichtbar. Kein vernünftig denkender Mensch käme auf die Idee, Fachkräfte zu entlassen, um im Katastrophenfall mit ungeschulten freiwilligen Krankenträgern und Privatkraftwagen zum Hausarzt und weiter ins Spital zu gelangen.

Sicher ist zu hinterfragen, warum die Krankenkassen gerade in diesem Segment den Rotstift ansetzen. Letztlich entscheidend ist jedoch die gesetzliche Verpflichtung jeder Gemeinde ihren Bürgern gegenüber, für die Vorsorge zuständig zu sein.

Hand aufs Herz, sind Sie zufrieden, wenn Sie wegen Ihres Gesundheitszustandes erst nach vielen Stunden Hilfe im Krankenhaus erhalten, weil kein Rettungsteam Sie aus dem zweiten oder dritten Stock zum Fahrzeug transportiert? Nicht zu vergessen sind jene Dauerpatienten, die wegen fehlender Krankenhausbetten zwei- oder dreimal pro Woche ambulant betreut werden müssen.

Peter Ripper, Regierungsrat, Graz

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