Blackout-Übung: Wenn dann gar nichts mehr geht!

Einsatzorganisationen üben und klären auf, was passiert, wenn das Licht länger ausgeht

Wien, 13.05.2019

Drei Tage lang wird mit der Operation “Helios” ein Ausfall von Strom und Infrastruktur simuliert – wie der Ernstfall das ganze Land betreffen würde.

Je hochtechnisierter eine Gesellschaft funktioniert, desto verletzlicher ist sie. Egal ob Naturkatastrophe, Reaktor-Unfall, Terroranschlag oder im immer wahrscheinlicheren Fall eines Blackout, eines mehrtägigen, überregionalen Stromausfalls. Was tun, wenn der Strom wegbleibt und weder Grundversorgung noch Kommunikation noch funktionieren? Experten sprechen im Zusammenhang mit einem solchen Stromausfall längst nur mehr von einem „Wann“, nicht von einem „Ob“.

Nichts geht mehr – schon einmal nachgedacht was da abgeht?

Anders als andere Katastrophen, schlägt der Blackout in Sekundenschnelle zu. Kein Licht, keine Lüftung, keine Heizung, kein Lift. Straßen- und U-Bahnen stehen still, Ampelanlagen fallen aus. Internet, Telekommunikation und alle elektronischen Bezahlsysteme funktionierten nicht. Tankstellen können kein Benzin pumpen. Lifte bleiben stecken.

Nach 24 Stunden verstopfen die Verkehrswege durch Autos, denen das Benzin ausgegangen ist. Nach 48 Stunden können Kerzen und Gaskocher in den Wohnungen zu Brandherden werden. Abwässer fluten die Straßen und werden zum Seuchenherd. In Mastställen fällt die Belüftung aus. Eine halbe Millionen Kühe kann nicht mehr gemolken werden, Tiere drohen zu verenden u.v.m.

Es kann nach einem solchen Szenario stunden-, tage- oder wochenlang dauern, bis der Strom wieder fließt. Und Monate, bis sich die Versorgungslage normalisiert hat.

Österreich übt für den Ernstfall!

Geübt wird so ein Szenario von Bundesheer, Innenministerium, Zivilschutzverbände und Rettungsorganisationen. Bei einem Blackout geht es nicht nur um das Ausbleiben der Stromversorgung, sondern um einen plötzlichen, überregionalen und länger andauernden Totalausfall der Infrastruktur der weitreichende Konsequenzen nach sich zieht. Am 13.5.2019 beginnt die dreitägige strategische SKKM-Krisenübung Helios, in der ein solcher “Blackout” simuliert wird.

Ausgangsszenario ist eine europaweite Strom-Mangellage bzw. ein darauffolgender Blackout, durch das viele Gesellschafts-und Lebensbereiche sowie unterschiedliche Ministerien, die Bundesländer, die Einsatzorganisationen bis hin zur kritischen Infrastruktur betroffen sein können. Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer erkennt, wo er noch an seiner Resilienz – also die Kraft, Krisen zu bewältigen – arbeiten kann.

Sind Sie für den Fall der Fälle richtig vorbereitet?

„Unsere Bürger werden einen Blackout nur dann meistern, wenn jetzt für einen effektiven Katastrophenschutz gesorgt wird. Die Bevölkerung muss mental und organisatorisch darauf vorbereitet sein, mehrere Tage bis Wochen ohne elektrische Energie zu überstehen. Es geht darum zu verstehen, was im Ernstfall geschieht und wie man sich vorbereiten kann. Wenn es um Sicherheit geht, dann bedeutet der Begriff “Prävention” vor allem eines: Mit Information und Kursangeboten im Idealfall dafür zu sorgen, dass erst gar nichts passiert, bzw. richtiges Verhalten in Notfällen zu lernen und rechtzeitig vorzusorgen, erklärt Peter Erdle, Katastrophenshcutzreferent des Samariterbundes in Wien und Obmann vom Samariterbund Favoriten.

Ist ein Blackout also rein statistisch gesehen unwahrscheinlich?

Bei uns gab es den letzten großen “Blackout” am 19. April 1976, einem Ostermontag. Ein Waldbrand löste einen Dominoeffekt aus, Teile der Schweiz, Österreichs und Deutschlands waren stundenlang ohne Strom. Das aber zu einer Zeit, wo noch nicht alles vom Strom abhing.

Sicherheitsexperten sind sich einig: Der Blick zurück vermittelt eine trügerische Sicherheit. Die Frage sei nicht, ob es einen Blackout geben wird, sondern wann. Hackerangriffe werden inzwischen am häufigsten als mögliche Ursache genannt. Im Dezember 2015 ging in der Ukraine genau deshalb flächendeckend das Licht aus. Andere mögliche Auslöser: Stromnetzüberlastungen durch technische und menschliche Fehler, Erdbeben, Atomunfälle, Wetterextreme sogar Sonnenstürme (magnetische Stürme) aus dem Weltall.

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Bild: Die Helfer Wiens
Quelle: BM.I